Muster zeigen – Gesicht mit Charakter
Wallpappe-Portrait einer Mitschülerin / eines Mitschülers
| Fach | Bildnerisches Gestalten |
|---|---|
| Thema | Portrait – Wallpappe-Portrait |
| Zielgruppe | Oberstufe |
| Dauer | ca. 12–14 Lektionen |
| Technik | Fotografie (Handy), digitale Tontrennung (Posterisieren), geritzte Wallpappe, subtiler Farbauftrag |
| Sozialform | Einzelarbeit (Fotosession und Lockerungsübungen in Partnerarbeit) |
| Endprodukt | Wallpappe-Portrait im Hochformat A3 mit mindestens 3 erkennbaren Bildebenen |
Aufgabenstellung
Unser Gehirn ist ein Gesichter-Profi: Wir erkennen Menschen blitzschnell – sogar dann, wenn ein Gesicht nur aus ein paar hellen und dunklen Flächen besteht. Genau das nutzt du in diesem Projekt.
Du gestaltest ein Portrait deiner Mitschülerin oder deines Mitschülers aus Wallpappe. Statt Hautfarbe und feiner Schattierung arbeitest du mit Flächen, Strukturen und Schichten: Die glatte Deckschicht, die freigelegten Wellen und die vertieften Stellen der Pappe werden zu deinen «Farbtönen». Jede Helligkeitsstufe des Gesichts bekommt ihre eigene Struktur – so spricht das Gesicht durch Muster.
Dein Ziel: Die Person ist auf den ersten Blick erkennbar – obwohl dein Bild nur aus Pappe, Flächen und Strukturen besteht.
🎨 Gestaltungsregeln
- Format: Hochformat, A3
- Technik (eine davon wählen): geritzte Wallpappe
- Motiv: Portrait deiner Mitschülerin / deines Mitschülers – die Person muss klar erkennbar sein
- Bildzuschnitt: Brustbild oder Schulterstück, interessanter Bildausschnitt (nicht zentriert)
- Aufbau: mindestens 3 erkennbare Bildebenen (z. B. hell – mittel – dunkel)
- Muster: jede Tonstufe hat eine eigene, klar unterscheidbare Struktur
- Farbe: subtiler Farbauftrag – die Pappe bleibt sichtbar
Der siebenstufige bildnerische Prozess
1️⃣ BEOBACHTEN
Auftrag 1: Portraits ordnen
Ein Portrait ist eine künstlerische Darstellung einer Person. Im Mittelpunkt stehen das äussere Erscheinungsbild, der Gesichtsausdruck und oft auch Charakter oder Stimmung.
- Ordne die Beispielportraits nach Ausschnitt (Brustbild, Büste/Schulterstück, Kopfbild, Augenbild).
- Ordne sie danach nach Kopfhaltung (Frontalansicht, Dreiviertelansicht, Halbprofil, Viertelprofil, Profil, verlorenes Profil).
Auftrag 2: Wie wenig braucht ein Gesicht?
- Wir erkennen Gesichter ganzheitlich – als Gesamtheit, nicht als Sammlung einzelner Teile. Deshalb sehen wir sogar Gesichter in Steckdosen oder Autofronten (Pareidolie).
- Fotografiere mindestens 3 Pareidolie-Gesichter im Schulhaus oder draussen. Du darfst dem Zufall nachhelfen.
- Betrachte ein schwarz-weisses Portrait in mehreren Schwellenwert-Stufen: Ab welcher Stufe erkennst du die Person nicht mehr?
Auftrag 3: Wallpappe-Portraits analysieren
Betrachte die Beispiele auf medienundinformatik.online (BG 7 › Portrait › Wallpappe-Portraits) und beantworte schriftlich:
- Woran erkennst du den Unterschied zwischen geritzter Pappe und Papp-Relief?
- Welche Stellen des Gesichts sind hell, welche dunkel – und mit welcher Struktur wurden sie umgesetzt?
- Wie viele Ebenen kannst du zählen?
2️⃣ SAMMELN
Auftrag 4: Struktur-Sammlung
- Sammle Pappreste mit unterschiedlichen Strukturen: feine und grobe Wellen, glatte Deckschichten, Graupappe.
- Lege einen digitalen Bildordner mit mindestens 6 Wallpappe- oder Strukturportraits an, die dir gefallen. Notiere zu jedem Bild in einem Satz, was dich überzeugt.
Auftrag 5: Fotosession (Partnerarbeit)
- Fotografiere deine Partnerin / deinen Partner mit dem Handy: mindestens 6 vielfältige Ansichten (frontal, Dreiviertel, Profil, von unten, von oben, Nahaufnahme).
- Achte auf seitliches Licht (z. B. am Fenster): Klare Licht- und Schattenflächen erleichtern später die Tontrennung.
- Fotografiere in Farbe – die Schwarz-Weiss-Umwandlung machst du danach digital. So hast du das Originalfoto in Farbe für die Dokumentation.
3️⃣ EXPERIMENTIEREN
Auftrag 6: Lockerungsübungen (Partnerarbeit)
Teile ein A3-Blatt auf Vorder- und Rückseite in je 4 Felder, falze und reisse es in 8 Teile. Wähle ein Kunstportrait und zeichne locker – ein perfektes Resultat ist nicht das Ziel:
- Bilddiktat: Dein Partner beschreibt das Portrait, du zeichnest, ohne es zu sehen.
- Blinde Kuh: 1 Minute genau anschauen, abdecken, aus der Erinnerung zeichnen.
- Überkopf-Skizze: Das Portrait auf den Kopf drehen und so abzeichnen.
- Fokus-Skizze: Nur auf das Original schauen, nie auf dein Blatt.
- Handicap-Skizze: Mit der schwächeren Hand zeichnen.
- Endloslinie: Den Stift nie absetzen.
- Durchpausen: Am Fenster oder Bildschirm.
- Simultan-Skizze: Mit beiden Händen gleichzeitig zeichnen.
Auftrag 7: Gesichtsproportionen
- Skizziere eine ovale Kopfform und platziere Augenbrauen, Augen, Ohren, Nase und Mund aus dem Gedächtnis. Vergleiche mit deinem Nachbarn.
- Überprüfe deine Skizze mit dem Achtel-Schema: Augen auf halber Kopfhöhe, Nase endet etwa bei 5/8, Mund bei 6/8, Mundbreite ≈ Pupillenabstand, Ohren ≈ Nasenlänge.
- Probiere zusätzlich die Loomis-Methode oder die Kreismethode aus. Welche hilft dir am meisten?
Auftrag 8: Digitale Tontrennung
- Wähle 3 deiner Fotos aus und schneide sie im Hochformat zu (imageresizer.com oder lunapic.com – Achtung: bei imageresizer nur 10 Gratis-Zuschnitte pro Tag).
- Wandle sie in Pixlr (oder posterize.imageonline.co) in Schwarz-Weiss um und posterisiere sie auf 3 bis 4 Tonstufen.
- Vergleiche: Bei welchem Foto und welcher Stufenzahl bleibt die Person am besten erkennbar?
Auftrag 9: Tuschlavierung als Vorstudie
- Lege Transparentpapier über eine posterisierte Version und pause die wichtigsten Flächengrenzen mit Bleistift ab.
- Übertrage die Flächen mit Tusche in mindestens 3 Ebenen: helle Lavierung (Tusche + viel Wasser), mittlere Lavierung, dunkle Stellen mit reiner Tusche.
- So siehst du schon vor der Pappe, ob deine Flächen das Gesicht tragen.
Auftrag 10: Musterkarte Wallpappe
Teste auf einem Pappstück (ca. A5) mindestens 4 Bearbeitungen und beschrifte sie:
- Deckschicht stehen lassen (glatt)
- Deckschicht einritzen und abziehen – Wellen freilegen
- Wellen quer und längs nebeneinander (zwei Strukturen)
- Wellen eindrücken oder herausschneiden (tiefste Ebene)
- Teste den Farbauftrag: stark verdünnte Farbe oder Beize auf glatter und gewellter Fläche.
⚠️ Sicherheit beim Cutter
Immer auf der Schneidematte und mit Metalllineal schneiden.
Die freie Hand liegt immer hinter der Klinge.
Klinge nach dem Schneiden sofort einfahren.
4️⃣ ENTSCHEIDEN
Auftrag 11: Bildzuschnitt festlegen
Wähle dein bestes Foto und lege den definitiven Ausschnitt fest. Prüfe dabei diese Regeln:
- Drittelregel: Die Augen liegen etwa auf einem Drittel der Bildhöhe von oben.
- Zuschnittregeln: Nicht an Hals oder Gelenken schneiden; Stirn oder Kinn leicht anschneiden geht – aber nicht beides.
- Regel des Raumes: Mehr Platz in Blickrichtung lassen.
- Weissraum: Das Gesicht nicht einquetschen.
- Links-Rechts-Regel: Beachte die Leserichtung.
Auftrag 12: Technik und Ebenenplan
- Entscheide dich für geritzte Pappe.
- Erstelle eine Legende: Welche Tonstufe wird zu welcher Pappebene und welcher Struktur? (Beispiel: hell = glatte Deckschicht, mittel = freigelegte Wellen, dunkel = vertieft oder herausgeschnitten.)
- Begründe deine Wahl schriftlich in 3–4 Sätzen: Warum dieses Foto, dieser Ausschnitt, diese Technik?
✅ Checkpoint – erst weiter, wenn die Lehrperson visiert hat
Ausdruck der posterisierten Vorlage in A3 · Ebenenlegende · schriftliche Begründung
5️⃣ VERDICHTEN
Auftrag 13: Umsetzung auf Wallpappe
- Drucke die posterisierte Vorlage in A3 aus.
- Übertrage die Flächengrenzen auf die Wallpappe (Pauspapier oder Bleistift-Rückseite).
- Arbeite von der hellsten zur dunkelsten Ebene: zuerst nur ritzen, dann Deckschicht abziehen, zuletzt vertiefen – bzw. beim Relief Lage für Lage aufbauen.
- Achte auf saubere Schnittkanten an den wichtigen Stellen: Augen, Nasenflügel, Mundwinkel, Kinnlinie.
- Trage die Farbe subtil auf: lasierend, damit die Strukturen sichtbar bleiben.
🔍 Qualitätscheck
Stell dein Bild auf und tritt 3 Meter zurück: Erkennen andere die Person sofort?
Sind mindestens 3 Ebenen klar unterscheidbar?
Ist jede Tonstufe durch eine eigene Struktur erkennbar?
Sind die Kanten sauber, gibt es keine ausgefransten Stellen?
6️⃣ DOKUMENTIEREN
Lege in deinem Teams-Ordner folgende Dateien ab:
- Fotosession (mindestens 6 Ansichten) und das gewählte Originalfoto in Farbe
- Posterisierte Version aus Pixlr (mindestens 3 Tonstufen)
- Fotos der Tuschlavierung und der Musterkarte
- Mindestens 3 Prozessfotos (Übertragung, Zwischenstand, fertiges Werk)
- Kurzbeschrieb des Portraits (5–8 Sätze): Wen zeigst du? Welche Technik? Welche Struktur steht für welchen Tonwert? Was war schwierig?
7️⃣ PRÄSENTIEREN
Auftrag 14: Stille Galerie «Wer ist wer?»
- Alle Portraits hängen ohne Namen an der Wand.
- Jede und jeder notiert auf einem Zettel, wen er oder sie erkennt.
- Auswertung: Welche Portraits wurden am häufigsten erkannt? Woran lag es?
Auftrag 15: Feedback und Selbstreflexion
- Gib zwei Mitschülern schriftliches Feedback: eine Stärke und einen Tipp.
- Beantworte die Reflexionsfragen am Ende dieses Auftrags.
Abgabe
- Fertiges Wallpappe-Portrait im Format A3
- Originalfoto der Mitschülerin / des Mitschülers (Farbe) auf Teams
- Posterisierte Version aus Pixlr auf Teams
- Ausdruck der bearbeiteten Vorlage (flächiges Portrait)
- Kurzbeschrieb des Portraits (Projektdokumentation)
Materialien & Hilfsmittel
Benötigtes Material
- Wallpappe / Wellkarton A3 (plus Reste für Musterkarte)
- Graupappe (für Papp-Relief)
- Cutter, Schneidematte, Metalllineal
- Weissleim, Pinsel
- Bleistift, Radiergummi, Pauspapier / Transparentpapier
- Schwarze Tusche, Wasserbecher, Aquarellpapier (Vorstudie)
- Verdünnte Acrylfarbe oder Beize für den subtilen Farbauftrag
- A3-Papier für Lockerungsübungen
Digitale Tools
- Mobiltelefon (Fotosession)
- Pixlr (Schwarz-Weiss, Posterisieren)
- imageonline.co (Alternative)
- com / lunapic.com (Bildzuschnitt)
- Microsoft Teams (Ablage)
- online › BG 7 › Portrait (Theorie und Beispiele)
Reflexionsfragen
- Was ist dir besonders gut gelungen?
- Was war die grösste Herausforderung?
- Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?
- Welche Stelle des Gesichts war entscheidend dafür, dass man die Person erkennt?
- Wie hat sich dein Bild verändert, als du von Fotografie zu Pappe gewechselt hast? Was ging verloren, was kam dazu?
- Welche Struktur hat am besten als «Farbton» funktioniert – und warum?
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