SCHÜLERAUFTRAG: SIZE MATTERS
Die Macht der Perspektive
PROJEKTÜBERSICHT
Fach: Bildnerisches Gestalten
Thema: Size Matters – Fotografie mit erzwungener Perspektive
Zielgruppe: Teenager
Dauer: ca. 12-14 Lektionen
Technik: Fotografie, perspektivische Mittel der Tiefe, erzwungene Perspektive
AUFGABENSTELLUNG
Grösse ist nie absolut – sie ist immer relativ!
In diesem Projekt wirst du mit der Macht der Perspektive experimentieren und die Welt neu sehen lernen. Deine Aufgabe: Wähle ein alltägliches Objekt aus und fotografiere es in vier völlig unterschiedlichen Grössenverhältnissen. Durch geschickte Kameraführung und erzwungene Perspektive lässt du dasselbe Ding winzig klein, lebensecht, raumfüllend und monumental wirken.
Dein Endprodukt:
Eine 4-teilige Fotoserie eines Alltagsobjekts:
- Miniatur – das Objekt wirkt winzig (z.B. auf deiner Handfläche, neben einem Stift)
- Lebensgrösse – das Objekt in seiner natürlichen, erwarteten Grösse
- Raumobjekt – das Objekt wirkt raumfüllend, dominant (z.B. füllt einen Tisch aus)
- Landschaftsobjekt – das Objekt wird zum Monument in der Landschaft (wie Claes Oldenburg)
Du wirst lernen, wie Grösse unsere Wahrnehmung steuert, Emotionen auslöst und Geschichten erzählt – alles durch die richtige Perspektive!
DER SIEBENSTUFIGE BILDNERISCHE PROZESS
1️⃣ BEOBACHTEN
Ziel: Verstehe, dass Grösse immer relativ ist und wie wir sie wahrnehmen.
📝 Auftrag 1: Sprüche und Redewendungen
Kennst du Sprüche oder Redewendungen zum Thema «Grösse»? Erstelle eine Liste zu «Gross» und «Klein».
Beispiele als Inspiration:
- Positiv für Klein: "Klein, aber fein", "Small is beautiful", "Good things come in small packages"
- Positiv für Gross: "Gross denken", "Think big", "Go big or go home"
Notiere mindestens 8 Sprüche (4 für gross, 4 für klein).
📝 Auftrag 2: Video-Kernaussage
Schau dir dieses Video an: Der feine Unterschied
Das Video zeigt 1 Million, 10 Millionen, 35 Millionen, 300 Millionen und 500 Millionen Dollars.
Fragen zum Video:
- Was ist die Kernaussage des Videos?
- Wie verändert sich deine Wahrnehmung der Geldmengen?
- Warum ist es schwer, diese Unterschiede zu verstehen?
Schreibe 3-5 Sätze zu deinen Beobachtungen.
📝 Auftrag 3: Bildanalyse
Suche online nach Beispielen von erzwungener Perspektive (forced perspective). Finde 3 Bilder und analysiere:
- Welches Objekt wird manipuliert?
- Wie wurde die Illusion erzeugt? (Distanz, Kamerawinkel, Positionierung?)
- Welche Wirkung hat das Bild auf dich?
2️⃣ SAMMELN
Ziel: Sammle Ideen, Objekte und Inspirationen für deine Fotoserie.
📝 Auftrag 4: Objektwahl
Wähle ein Alltagsobjekt aus, das du in vier verschiedenen Grössenverhältnissen fotografieren möchtest.
Anforderungen an dein Objekt:
- Es sollte nicht zu kompliziert sein (einfache Formen funktionieren besser)
- Es sollte leicht transportierbar sein
- Es sollte interessant genug sein, um es 4x zu fotografieren
- Es sollte eine klare, wiedererkennbare Form haben
Beispielobjekte:
Kaffeetasse, Schuh, Ball, Buch, Handy, Brille, Löffel, Stuhl, etc.
📝 Auftrag 5: Moodboard erstellen
Erstelle ein digitales oder analoges Moodboard mit mindestens 10 Inspirationsbildern:
- 3-4 Beispiele von erzwungener Perspektive
- 3-4 Bilder vom Künstler Claes Oldenburg (monumentale Alltagsobjekte)
- 3-4 interessante Perspektiven oder Grössenverhältnisse
📝 Auftrag 6: Künstlerrecherche – Claes Oldenburg
Recherchiere den Künstler Claes Oldenburg und seine monumentalen Skulpturen.
Video: Claes Oldenburg & Coosje van Bruggen
Notiere:
- Welche Objekte hat er monumentalisiert?
- Welche Wirkung haben seine Skulpturen?
- Was findest du an seinen Werken interessant oder überraschend?
3️⃣ EXPERIMENTIEREN
Ziel: Teste verschiedene Perspektiven, Winkel und Positionen, um die gewünschten Grössenverhältnisse zu erzeugen.
📝 Auftrag 7: Miniatur-Experimente
Fotografiere dein Objekt so, dass es winzig klein wirkt.
Tipps:
- Platziere es neben etwas Grossem (z.B. ein Buch, ein Gebäude im Hintergrund)
- Fotografiere es auf deiner Handfläche
- Nutze die Tiefenschärfe (unscharfer Hintergrund macht das Objekt kleiner)
- Fotografiere von oben herab
Mache mindestens 5 verschiedene Varianten!
📝 Auftrag 8: Lebensgrösse-Experimente
Fotografiere dein Objekt in seiner natürlichen, erwarteten Grösse.
Tipps:
- Normale Perspektive (auf Augenhöhe)
- Neutrale Umgebung, die die echte Grösse zeigt
- Vergleichsobjekte, die die Erwartung bestätigen
Mache mindestens 3 verschiedene Varianten!
📝 Auftrag 9: Raumobjekt-Experimente
Fotografiere dein Objekt so, dass es raumfüllend und dominant wirkt.
Tipps:
- Nähe: Gehe sehr nah ran
- Niedriger Kamerawinkel (von unten nach oben)
- Fülle den Bildrahmen komplett aus
- Platziere es auf einem Tisch oder in einem engen Raum
Mache mindestens 5 verschiedene Varianten!
📝 Auftrag 10: Landschaftsobjekt-Experimente
Fotografiere dein Objekt so, dass es monumental in der Landschaft wirkt – wie eine Skulptur von Claes Oldenburg.
Tipps:
- Erzwungene Perspektive: Platziere das Objekt nah bei der Kamera, die Landschaft weit weg
- Nutze den Horizont als Referenz
- Fotografiere draussen mit viel Himmel im Hintergrund
- Positioniere dein Objekt so, dass es grösser als Gebäude oder Bäume wirkt
Mache mindestens 5 verschiedene Varianten!
⚠️ WICHTIG:
Du solltest insgesamt mindestens 18 Experimentierfotos haben (5 + 3 + 5 + 5). Mehr ist besser! Je mehr du experimentierst, desto besser werden deine finalen Fotos.
4️⃣ ENTSCHEIDEN
Ziel: Wähle die besten 4 Fotos aus – eines für jede Grössenkategorie.
📝 Auftrag 11: Bildauswahl mit Begründung
Aus all deinen Experimenten wählst du die 4 stärksten Fotos aus – eines pro Kategorie.
Für jedes der 4 Fotos beantworte schriftlich:
-
Warum hast du genau dieses Foto gewählt?
(Was funktioniert besonders gut? Perspektive? Licht? Komposition?) -
Welche Wirkung soll das Foto erzielen?
(z.B. "Das Miniatur-Foto soll das Objekt verletzlich und klein wirken lassen") -
Was könntest du noch verbessern?
(Gibt es technische Aspekte, die du optimieren willst?)
Schreibe pro Foto 3-4 Sätze!
5️⃣ VERDICHTEN
Ziel: Erstelle die finalen 4 Fotos in höchster Qualität – optimiert und verfeinert.
📝 Auftrag 12: Die 4 finalen Fotos erstellen
Basierend auf deiner Auswahl machst du nun die finalen Aufnahmen. Du darfst die Experimente wiederholen und verbessern!
Qualitätskriterien für jedes Foto:
Technische Qualität:
- ✅ Scharf fokussiert (kein Verwacklungsfehler)
- ✅ Gute Belichtung (nicht zu dunkel oder zu hell)
- ✅ Klare Komposition (Hauptobjekt ist eindeutig)
Perspektivische Illusion:
- ✅ Die gewünschte Grössenwirkung ist überzeugend
- ✅ Die Perspektive funktioniert (keine offensichtlichen Fehler)
- ✅ Vergleichselemente unterstützen die Illusion
Ästhetik:
- ✅ Interessanter Bildaufbau
- ✅ Spannende Perspektive
- ✅ Bewusste Bildgestaltung (nichts ist zufällig)
⚠️ TIPP: Nimm dir Zeit! Du darfst so viele Versuche machen, wie du brauchst, bis du mit allen 4 Fotos zufrieden bist.
6️⃣ DOKUMENTIEREN
Ziel: Halte deinen Arbeitsprozess fest – von den ersten Experimenten bis zu den finalen Fotos.
📝 Auftrag 13: Prozessdokumentation
Erstelle eine Dokumentation mit folgenden Elementen:
1. Einführung (1 Seite):
- Welches Objekt hast du gewählt und warum?
- Was war deine Absicht mit diesem Projekt?
2. Moodboard (1 Seite):
- Dein Inspirations-Moodboard mit mindestens 10 Bildern
3. Experimente (1-2 Seiten):
- Eine Auswahl deiner besten Experimentierfotos (mindestens 8 Stück)
- Zeige 2 Fotos pro Kategorie (Miniatur, Lebensgrösse, Raumobjekt, Landschaftsobjekt)
4. Finale Serie (1 Seite):
- Deine 4 finalen Fotos schön präsentiert
- Klare Beschriftung: Miniatur, Lebensgrösse, Raumobjekt, Landschaftsobjekt
5. Reflexion (1 Seite):
- Siehe Auftrag 14
Format: Digital (PowerPoint, PDF, Word) oder analog (A3-Blätter, Poster)
7️⃣ PRÄSENTIEREN
Ziel: Präsentiere deine 4-teilige Fotoserie und reflektiere über deinen Lernprozess.
📝 Auftrag 14: Stille Galerie
Die finalen Fotoserien werden in einer Stillen Galerie im Klassenzimmer präsentiert. Jede:r Schüler:in hängt die 4 Fotos nebeneinander auf (oder legt sie auf einem Objekttisch aus).
Ablauf:
- Alle schauen sich in Ruhe die Arbeiten an (ohne zu sprechen)
- Jede:r klebt 2 Punkte auf die Arbeiten, die am besten funktionieren
- Kurze Klassenbesprechung: Was ist besonders gelungen?
📝 Auftrag 15: Schriftliche Reflexion
Beantworte folgende Fragen schriftlich (mindestens 1 Seite):
-
Was ist dir besonders gut gelungen?
Welches deiner 4 Fotos ist am stärksten und warum? -
Was war die grösste Herausforderung?
Was war schwierig? Wie hast du das Problem gelöst? -
Was hast du über Perspektive und Grösse gelernt?
Wie hat dich dieses Projekt überrascht? -
Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?
Was würdest du verbessern oder weiterentwickeln? -
Welche der Kernaussagen von "Size Matters" ist dir am wichtigsten?
(z.B. "Grösse ist relativ", "Perspektive verändert alles", "Grösse schafft Bedeutung")
MATERIALIEN & HILFSMITTEL
Benötigtes Material:
Fotografie:
- Smartphone oder Kamera
- Gutes Licht (natürliches Tageslicht ist am besten)
- Dein gewähltes Alltagsobjekt
Für Experimente:
- Verschiedene Hintergründe (Landschaft, Tisch, Wand, etc.)
- Optional: Stativ für scharfe Fotos
- Vergleichsobjekte (z.B. Hand, Münze, Gebäude)
Dokumentation:
- Computer für digitale Dokumentation ODER
- A3-Papier, Klebstoff, Drucker für analoge Dokumentation
Digitale Tools (optional):
- Smartphone-Kamera-Apps (z.B. "Camera+", "ProCam")
- Bildbearbeitung: Adobe Lightroom (Mobile), Snapseed, VSCO
- Präsentation: PowerPoint, Canva, Google Slides
THEORIE-EINBLICKE
🔑 Kernaussagen von "Size Matters"
"Grösse ist relativ"
Grösse existiert nicht absolut – sie ist immer relational (im Verhältnis zueinander), kontextabhängig (abhängig von der Umgebung) und wahrnehmungsbasiert (abhängig vom Betrachter).
"Massstab schafft Bedeutung"
Die Grösse eines Objekts im Verhältnis zu anderen Elementen erzeugt Bedeutung. Ein kleiner Mensch neben einem grossen Baum vermittelt eine andere Geschichte als ein grosser Mensch neben einem kleinen Baum.
"Perspektive verändert alles"
Durch geschickte Kameraführung und erzwungene Perspektive kannst du die Wahrnehmung von Grösse komplett manipulieren. Was nah bei der Kamera ist, wirkt riesig – was weit weg ist, wirkt winzig.
"Grösse zeigt Hierarchie"
In der Kunst (und im Leben) signalisiert Grösse oft Wichtigkeit. Was gross dargestellt wird, wirkt dominant, mächtig oder bedeutsam. Was klein ist, wirkt untergeordnet oder weniger wichtig.
"Grösse hat psychologische Wirkung"
- MINIATUR = intim, zart, kostbar, verletzlich, persönlich
- MONUMENTAL = mächtig, überwältigend, öffentlich, beeindruckend, autoritär
📐 Techniken der erzwungenen Perspektive
Was ist erzwungene Perspektive?
Eine fotografische Technik, bei der du durch geschickte Positionierung und Kamerawinkel die tatsächliche Grösse von Objekten täuschst. Du nutzt die natürlichen Regeln der Perspektive (je weiter weg, desto kleiner wirkt es) um Illusionen zu erzeugen.
Grundprinzipien:
- Distanz manipulieren – Objekte nah bei der Kamera wirken riesig
- Kamerawinkel nutzen – Von unten fotografiert wirkt alles grösser
- Vergleichselemente einbeziehen – Bekannte Objekte geben dem Gehirn falsche Grössenhinweise
🎨 Künstlerbeispiel: Claes Oldenburg
Claes Oldenburg ist bekannt für seine monumentalen Skulpturen von alltäglichen Objekten. Ein Löffel wird zur 15-Meter-Skulptur, eine Wäscheklammer zum Kunstwerk vor einem Wolkenkratzer.
Seine Botschaft:
Wenn du gewöhnliche Dinge monumental machst, siehst du sie mit neuen Augen. Plötzlich wird das Alltägliche besonders, bedeutsam, vielleicht sogar absurd.
REFLEXIONSFRAGEN
Während des Prozesses:
- Wie verändert sich deine Wahrnehmung deines Objekts, je mehr du es fotografierst?
- Welche Perspektive ist am schwierigsten zu erzeugen?
- Was lernst du über die Macht der Kamera?
Nach dem Projekt:
- Wie siehst du Grösse jetzt anders als vor dem Projekt?
- Was hat dich am meisten überrascht?
- Wo im Alltag fällt dir jetzt "Size Matters" auf?
VIEL ERFOLG BEI DEINEM SIZE MATTERS PROJEKT! 📸
Denk dran: Grösse ist relativ – aber die Qualität deiner Arbeit ist absolut!
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