Auftrag
Projektübersicht
«Licht sehen – Tierisch ausdrucksstark!»
Du gestaltest ein Tierporträt deines Lieblingstiers in der Schabkarton-Technik, bei dem du das Licht durch Kratzen sichtbar machst.
| Fach | Bildnerisches Gestalten |
|---|---|
| Thema | Mein Lieblingstier in Schabkartontechnik |
| Zielgruppe | Jugendliche, Oberstufe |
| Dauer | ca. 16 Lektionen |
| Technik | Farbstift (weisser Farbstift), Schabkarton (Scratchboard), Ritz- und Schraffurtechniken, digitale Bildbearbeitung |
| Theorie | Hell-Dunkel-Kontrast, Bildauswahl, Bildausschnitt und Drittelregel, Schabkartonkünstler |
| Endprodukt | Ein Tierporträt auf Schabkarton, ca. 23 × 30 cm, Hochformat |
Aufgabenstellung
Beim Schabkarton zeichnest du nicht mit dem Stift, sondern mit dem Messer: Licht entsteht dort, wo du kratzt. Der Karton ist weiss grundiert und mit einer schwarzen Tuscheschicht überzogen. Wenn du diese Schicht wegkratzt, kommt das Weiss darunter zum Vorschein.
Deine Aufgabe: Du wählst dein Lieblingstier, suchst und bearbeitest eine starke Bildvorlage und setzt sie als Porträt auf Schabkarton um. Ziel ist ein Bild mit klaren Hell-Dunkel-Kontrasten, feinen Strukturen wie Fell, Federn oder Schuppen und einem spannenden Bildausschnitt.
Merke: Du zeichnest nicht die Schatten, sondern das Licht. Was einmal weggekratzt ist, bleibt weg – arbeite deshalb geduldig und in kleinen Schritten.
Gestaltungsregeln
-
Format: Hoch- oder Querformat, ungefähr Format A4
-
Technik: Schabkarton (beschichteter schwarzer Karton)
- Motivwahl:
- Lieblingstier
- Nahaufnahme eines Tiers (z. B. Kopf, Auge, Schnauze, Fellstruktur)
- Hintergrund: ruhig, dunkel
- Technik:
- nutze unterschiedliche Werkzeuge
- Arbeite mit unterschiedlichen Ritztechniken (Punkte, Linien, Wellen, Diagonalen, ...)
- Farbe: nur Schwarz-Weiss
Arbeitsweise
-
Sozialform: Einzelarbeit
- Vorlage: Erstelle ein Vorlage zum Abzeichnen
-
Teste dein Motiv zuerst an einem Probestück.
- Erstelle eine Vorzeichnung / Übertrag vom ausgedruckten Original auf den Schabkarton (Durchpaus-Technik)
-
Achte auf saubere Ritztechnik und eine sorgfältige Ausarbeitung von Hell und Dunkel.
Zeitplan
Du hast insgesamt 12–14 Lektionen Zeit (6–7 Doppellektionen):
- 1. Doppellektion: Einstieg mit Eckenspiel (Entscheidungsfragen), Auftrag, thematische Fragen zu deinem Lieblingstier, Online-Bildersuche, Fragen zur Bildeignung, Eintrag in Notizenbuch
- 2. Doppellektion: Mein Schabkartonkünstler (Monolog, Künstlerkoffer, Brief, Social Media, Quiz), Skizze eines Bildes des Künstlers
- 3. Doppellektion: Bildbearbeitung mit KI (Reve), Theorie zu Bildausschnitt
- 4. Doppellektion: Vorübung: Licht zeichnen mit weissem Farbstift auf schwarzem Tonpapier
- 5. Doppellektion: 6 Ritztechniken, Technikblatt/Neunerraster, 8 Tipps für Anfänger
- 6. Doppellektion: Auftrag im Detail, Übertrag der Vorlage auf Schabkarton, Arbeit an Schabkarton
- 7. Doppellektion: Weiterarbeit an Schabkarton, Abgabe
Der siebenstufige bildnerische Prozess
1 Beobachten
- Eckenspiel: Entscheide dich bei jedem Tierpaar spontan. Beim ersten Tier gehst du zur Wand, beim zweiten zu den Fenstern (Hund oder Katze? Spinne oder Schlange? Delfin oder Hai? …).
- Technik kennenlernen: Schau dir das Einführungsvideo und die Beispielbilder auf der Website an. Notiere ins Skizzenbuch, was dir an der Technik auffällt: Linien, Kontraste, Strukturen.
- Mein Lieblingstier: Beantworte im Skizzenbuch schriftlich diese Fragen:
- Welches Tier fasziniert dich besonders, und warum?
- Was gefällt dir an seiner Mimik, Bewegung oder Ausstrahlung? Wirkt es stark, ruhig, geheimnisvoll oder verspielt?
- Welche besonderen Merkmale hat es (Fell, Federn, Hörner, Augen, Krallen)? Gibt es eine typische Pose?
- Welche Ansicht ist spannend: Porträt, Kopf, ganzer Körper oder nur ein Ausschnitt wie Auge, Schnauze oder Pfote?
- Dies ist mein Lieblingstier: … Begründe deine Wahl in einigen Sätzen.
2 Sammeln
- Online-Bildersuche: Erstelle in deiner Dateiablage einen Ordner und sammle ca. 10 Bilder deines Tiers. Stelle in der Google-Bildersuche unter Suchfilter ein: Grösse = gross, Farbe = Schwarz-Weiss. Wähle wenn möglich Bilder mit dunklem, ruhigem Hintergrund.
- Schabkartonkünstler: Lege im Skizzenbuch die Seite «Bekannte Schabkartonkünstler» an. Suche nach Schabkartonbildern und notiere 5 Künstlerinnen oder Künstler mit Vor- und Nachname. Beispiele: Hannes Binder, Thomas Ott, Cathy Sheeter, Steve Hammond, Mark Summers, Beth Krommes, Heather Lara.
- Bildanalyse: Unterstreiche eine Person aus deiner Liste, wähle ein Werk aus und analysiere es mit diesen 6 Untertiteln in Stichworten:
- Thema und Inhalt – Was wird dargestellt?
- Ausdruck und Stimmung – düster, ruhig, dramatisch, zart? Wodurch?
- Schabtechnik – feine oder grobe Linien, welche Texturen, welche Linienrichtung?
- Detailgrad – viele Details oder ruhige Flächen?
- Wiedererkennbarkeit – Woran erkennt man den Stil?
- Persönliche Meinung – Was löst das Bild bei dir aus?
- Zusatzauftrag (für Schnelle): Wähle eine kreative Form, um deine Künstlerin oder deinen Künstler vorzustellen: Ich-Monolog, Künstler-Box mit 5 Gegenständen, Brief an den Künstler, fiktives Instagram-Profil oder ein Quiz für die Klasse.
3 Experimentieren
- Ritzübung (Pflicht): Halbiere ein A4-Blatt Schabkarton und teile die Hälfte in 4 × 3 Felder. Verwende pro Zeile ein anderes Werkzeug und gestalte jedes Feld mit einem anderen Ritzstil: Parallelschraffur, Diagonalschraffur, Kreuzschraffur, Punktieren, Wellen, kombinierte Techniken. Fülle jedes Feld vollständig.
- Druck testen: Probiere am Rand aus, wie viel Druck es braucht und wie breit der Strich wird.
- Vorlage aufbereiten: Bearbeite mindestens 3 deiner Bilder so, dass sie wie ein Schabkartonbild wirken. Wandle sie in Schwarz-Weiss um und erhöhe den Kontrast (Pixlr, GIMP, Photoshop) oder nutze den KI-Bildgenerator Reve:
- Stelle das Format passend zum Original ein (z. B. 2:3) und lass jeweils nur 1 Bild generieren – du hast nur ca. 20 Generierungen pro Tag.
- Lade dein Bild hoch und schreibe: Write a prompt based on this image. Übernimm aus dem Vorschlag nur die Sätze, die das Tier beschreiben, und lösche alle Farbwörter.
- Setze die Beschreibung in diese Vorlage ein:
A close-up portrait of a [Tier] against a solid black background showcases intricate details of the animal's facial features. [Bildbeschreibung] The high-contrast monochromatic image emphasizes the textural details of the [Tier]. Black and white scratchboard art with precise etched lines on dark background creates sharp contrast and fine detail.
- Bildausschnitt testen: Schneide dein bestes Bild auf 3 verschiedene Arten zu (z. B. ganzer Kopf, Nahaufnahme, Anschnitt). Lege dabei das Drittelraster darüber.
4 Entscheiden
- Wähle 3 Favoriten aus und prüfe jedes Bild mit diesen Fragen:
- Betont das Bild, was dich am Tier fasziniert (Augen, Fell, Haltung)?
- Wirkt das Tier ausdrucksstark – Blick, Pose, Emotion?
- Gibt es deutliche Hell-Dunkel-Bereiche?
- Ist der Hintergrund ruhig, der Fokus klar?
- Wirkt das Bild auch in Schwarz-Weiss noch?
- Entscheide dich für ein Bild und einen Ausschnitt. Prüfe die Zuschnittregeln:
- Hauptmotiv nicht in der Bildmitte, sondern auf einem Drittelpunkt.
- Blickrichtung des Tiers hat Raum – das Tier stösst nicht gegen den Bildrand.
- Nicht durch Gelenke, Kinn, Stirn, Augen oder Mund schneiden.
- Begründe deine Wahl schriftlich in 3–4 Sätzen.
Gutes Motiv = Emotion + Kontrast + Struktur + Ruhe im Bild
5 Verdichten
- Übertragen: Übertrage die Umrisse und die wichtigsten Lichtzonen nur leicht auf den Schabkarton, z. B. mit einem weissen Farbstift oder mit weissem Pauspapier. Nicht radieren – das beschädigt die Oberfläche.
- Vom Hellsten aus arbeiten: Beginne mit den hellsten Lichtstellen (Lichtreflexe in den Augen, beleuchtete Fellpartien) und arbeite dich zu den Halbtönen vor. Dunkle Zonen bleiben schwarz.
- Struktur folgen: Kratze in Richtung des Fells, der Federn oder Schuppen. Setze die Ritztechniken aus deiner Übung gezielt ein.
- Zwischenkontrolle: Halte nach jeder Lektion die Vorlage neben dein Bild und betrachte beides aus 2 m Abstand. Wo fehlt Licht, wo ist es zu hell?
- Fehler korrigieren: Zu viel Weggekratztes kannst du mit schwarzer Tusche oder einem schwarzen Fineliner retuschieren – oder den Fehler bewusst ins Bild einbauen.
- Qualitätscheck vor Abgabe: Starker Kontrast? Feine, gleichmässige Linien? Texturen erkennbar? Ausschnitt spannend?
6 Dokumentieren
Fotografiere dein Projekt laufend und lege die Fotos in deinem Ordner ab:
- deine 3 Bildvarianten und die gewählte Vorlage
- die Ritzübung
- mindestens 3 Prozessfotos (nach dem Übertragen, nach den Lichtstellen, kurz vor Schluss)
- das fertige Bild sowie 2 Detailaufnahmen (z. B. Auge, Fellstruktur)
7 Präsentieren
- Stille Galerie: Alle Bilder liegen zusammen mit der Vorlage auf den Tischen. Schreibe zu 3 Arbeiten deiner Mitschülerinnen und Mitschüler je ein Feedback auf ein Kärtchen: Was gelingt besonders gut? Was könnte noch stärker wirken?
- Kurzpräsentation: Stelle dein Bild in 1–2 Minuten vor: Welches Tier, warum dieser Ausschnitt, welche Ritztechniken?
- Selbstreflexion: Beantworte die Reflexionsfragen schriftlich im Skizzenbuch.
Materialien und Hilfsmittel
Benötigtes Material
- Schabkarton, ca. 23 × 30 cm (z. B. Essdee Black) für das Endprodukt
- 1 halbes A4-Blatt Schabkarton für die Ritzübung
- Ritzwerkzeuge: Radiernadel, Kratzmesser mit V-Spitze, Skalpell oder Japanmesser, Scratchboard-Set
- Günstige Alternativen: Zahnstocher, aufgebogene Büroklammer, Kugelschreiber ohne Mine, Ahle
- Weisser Farbstift oder weisses Pauspapier zum Übertragen
- Schwarze Tusche oder schwarzer Fineliner zum Korrigieren
- Skizzenbuch, Bleistift
- Ausdruck deiner Bildvorlage in Schwarz-Weiss
Digitale Tools
- Google-Bildersuche mit Suchfilter (Grösse, Farbe)
- Bildbearbeitung: Pixlr, GIMP oder Photoshop
- KI-Bildgenerator Reve (reve.art), max. ca. 20 Generierungen pro Tag
- Linguee für Übersetzungen ins Englische
- Smartphone oder Tablet für die Fotodokumentation
Sicherheit: Skalpell und Japanmesser sind sehr scharf. Schneide und kratze immer von dir weg und lege das Werkzeug nach dem Gebrauch mit geschlossener oder abgedeckter Klinge hin.
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