Muster im Alltag: Eine Einführung

 

Frottage (Abreibung)

Frottage ist eine Abreibe-Technik, die der Künstler Max Ernst 1925 für seine Werke wiederentdeckt hat. Für die Entstehung seiner Bilder nutzte er die Frottage-Technik, indem er Papier z.B. auf Holzbretter, Blätter und Stroh legte und diese mit einem Stift durchrieb. 

📝 Auftrag 1: Frottage 

  • Nimm ein A4-Blatt, eine dunkle Neocolorfarbe und ein Bleistift.
  • Sammle mind. 20 verschiedene Abriebe/Frottagen von Mustern auf dem Pausenplatz.
  • Die Abriebe sollen eine Grösse von ca. 4 x 4 cm haben.
  • Achte auf die Qualität der Abriebe. Halte den Stief flach und erzeuge ein gleichmässige Schraffur.
  • Benenne auf der Blattrückseite die Vorlage (Was wurde durchgerieben?)
  • Ziel: Das ganze Blatt ist komplett mit Abrieben gefüllt.

 

  • Auflösung im Plenum: Kannst du die Frottage-Beispiele erraten?

 

📝 Auftrag 2: Folgeauftrag

  • Nimm einen Stift und fahre dem Grundelement nach.
  • Beschrifte das Grundelement:

Theorie: Was sind Muster?

 

📝 Auftrag 2: 

Untenstehende Begriffsdefinition lesen und sich diese im Skizzenbuch oder im persönlichen Abschnitt auf Teams/Theorie notieren.

Begriffsdefinition: Muster

Muster besitzen folgende Eigenschaften: 

  • Ähnlichkeit
    Die Elemente sehen gleich oder sehr ähnlich aus.

  • Rhythmus
    Das Muster wirkt wie ein visueller Takt – ähnlich wie Beats in der Musik.

  • Variation (kleine Abweichungen)
    Ein Muster kann kleine Veränderungen haben, ohne chaotisch zu wirken.

  • Flächenfüllung
    Muster bedecken oft eine ganze Fläche, nicht nur einen einzelnen Punkt.

  • Erkennbarkeit
    Man kann das Grundelement („Baustein“) des Musters erkennen.

 

Merksatz für Schüler:
👉 Ein Muster ist etwas, das sich geordnet wiederholt.

 

📝 Auftrag 3: Musterbilder ordnen

  • Erstelle in deinem persönlichen OneDrive unter dem Ordner BG einen Unterordner Ornamente.
  • Erstelle einen weiteren Unterordner Bilder.
  • Öffnen die Bildsuche im Browser.
  • Suche 20 Bilder von Mustern im Alltag und speichere diese in einem Ordner Muster ab.
  • Ordne diese entweder nach
    • Themen oder
    • praktischen Funktionen (siehe unten)
  • Erstelle dazu Unterordner und weise diese zu.

 

Thematische Ordnung

Natur

Haus

Mode

Technik

Architektur

Lebensmittel

Ordnung nach praktischen/funktionalen Gründen

 

Muster erfüllen oft erstaunlich praktische Funktionen! Hier sind die wichtigsten funktionalen Gründe:e hier, um einen Text zu schreiben.

Tarnung und Schutz in der Natur: Das Streifenmuster von Zebras verwirrt Raubtiereaugen, Tigerstreifen helfen beim Verstecken im Gras, Schmetterlingsaugen-Muster schrecken Fressfeinde ab. Auch militärische Tarnmuster folgen diesem Prinzip.

Stabilität und Festigkeit: Die Wabenstruktur ist extrem stabil bei minimalem Materialaufwand (Bienenwaben, aber auch in Verpackungen oder Flugzeugbau). Gerippte oder gemusterte Oberflächen sind stabiler als glatte – deshalb haben Wellpappe, Riffelbleche oder Autoreifen diese Strukturen.

Griffigkeit und Halt: Das Profil von Schuhsohlen, die Riffelung von Griffen, die Noppen auf Tischtennisschlägern oder die Struktur von Yogamatten – all das sorgt für besseren Halt durch Muster.

Warnung und Sicherheit: Gelb-schwarze Streifen signalisieren Gefahr (Wespen, aber auch Baustellen), Zebrastreifen machen Fußgängerüberwege sichtbar, reflektierende Muster auf Warnwesten erhöhen die Sichtbarkeit.

Belüftung und Kühlung: Lochbleche, Lüftungsgitter, die Muster in Sportkleidung – sie ermöglichen Luftzirkulation bei gleichzeitiger Stabilität.

Orientierung und Information: Bodenmarkierungen in Gebäuden, taktile Muster für Sehbehinderte (Rillen an Bahnsteigkanten), Prägungen auf Münzen zur Unterscheidung.

Effizienz: Solarpanele sind in Mustern angeordnet für optimale Lichtausbeute, Kühlrippen haben Muster für maximale Oberfläche..

Theorie

 

📝 Auftrag 4: Theorie

Lies die Theorie und mach dir Notizen ins Skizzenbuch oder auf Teams.

 

⚠️Worin liegt der Unterschied zwischen dem Begriff «Muster» und «Ornament»?

 

Muster ist der allgemeinere Begriff. Ein Muster ist jede sich wiederholende Struktur, Form oder Anordnung. Muster können natürlich entstehen (wie Tigerstreifen, Baumrinde, Kristallstrukturen) oder von Menschen geschaffen sein.

Sie können sowohl praktisch als auch dekorativ sein. Ein Muster beschreibt also einfach die Regelmäßigkeit oder Wiederholung selbst – egal ob sie einen Zweck erfüllt oder nicht.

 

Ornament hingegen ist spezifischer und bezeichnet ausschließlich dekorative, schmückende Elemente, die Menschen bewusst gestalten. Ornamente haben keinen funktionalen Zweck, sondern dienen der Verschönerung und oft auch der symbolischen oder kulturellen Bedeutung. Sie finden sich in Kunst, Architektur und Kunsthandwerk – denk an verzierte Säulenkapitelle, Schnörkel in Büchern, oder die prächtigen Ornamente in einem orientalischen Teppich.

 

Der Kern des Unterschieds:

  • Ein Zebra hat ein Muster, aber kein Ornament
  • Eine barocke Stuckdekoration ist ein Ornament
  • Ein kariertes Hemd hat ein Muster, das auch dekorativ sein kann
  • Eine kunstvolle Verzierung an einer Moschee ist ein Ornament

 

Man könnte sagen:

Jedes Ornament ist ein Muster, aber nicht jedes Muster ist ein Ornament. Das Ornament setzt eine künstlerische Absicht und einen rein ästhetischen Zweck voraus.

 

⚠️ Funktionen von Mustern

 

Ein Muster kann unterschiedliche Funktionen erfüllen:

  • Funktional/Praktisch: Muster erfüllen praktische Zwecke wie Stabilität, Tarnung, Griffigkeit, Belüftung oder Orientierung.

  • Dekorativ: Muster dienen der ästhetischen Verschönerung von Räumen, Kleidung, Objekten und schaffen visuelle Attraktivität.
    = Ornament

  • Symbolisch: Muster vermitteln Bedeutungen, repräsentieren Identitäten, Werte oder Botschaften und können soziale Zugehörigkeit ausdrücken.

  • Religiös/Spirituell: Muster dienen der Meditation, dem Gebet, der sakralen Kunst und symbolisieren göttliche Ordnung oder transzendente Konzepte.

  • Kulturell: Muster bewahren Traditionen, drücken kulturelle Identität aus und verbinden Menschen mit ihrer Herkunft und Geschichte.

  • Kommunikativ: Muster übermitteln Informationen, Warnungen oder Anweisungen und dienen der visuellen Orientierung und Signalgebung.

 

Dekorativer/verschönernder Zweck von Mustern

 

Textilien und Mode

Kleiderstoffe mit floralen, geometrischen oder abstrakten Mustern, Schals, Krawatten, bedruckte T-Shirts, gemusterte Strümpfe. Heimtextilien wie Vorhänge, Tischdecken, Kissenbezüge, Bettwäsche und Teppiche leben von dekorativen Mustern.

Architektur und Innenräume

Tapeten, Wandfliesen (besonders in mediterranen oder orientalischen Stilen), Mosaikböden, Stuck an Decken und Wänden, verzierte Geländer, ornamentale Fassadenelemente an historischen Gebäuden, Buntglasfenster in Kirchen.

Kunsthandwerk

Keramik und Porzellan mit handgemalten oder gedruckten Mustern, verzierte Vasen, gemusterte Gläser, geschnitzte Holzmöbel, Intarsienarbeiten, geschmiedete Eisengitter.

Papier und Druck

Geschenkpapier, Scrapbooking-Materialien, Briefpapier, Bucheinbände, Tapeten, Servietten, Grußkarten.

Körperschmuck

Tätowierungen, Henna-Malerei (Mehndi), Schmuck mit gravierten oder geprägten Mustern, verzierte Uhren.

Kunst und Kultur

Traditionelle Muster in verschiedenen Kulturen – Mandala-Muster, keltische Knoten, islamische Geometrie, afrikanische Textilmuster (wie Kente), japanische Kimono-Designs, Art Déco oder Jugendstil-Ornamentik.

Alltagsgegenstände

Geschirr, Smartphone-Hüllen, Notizbücher, Verpackungen (Schokolade, Geschenkboxen), dekorative Schachteln.

📝 Zusatzauftrag 4:

Weiterentwicklung der Frottage-Ausschnitte zu Bildern:

 

  • Frottage-Flächen als Ausgangsmaterial: Was siehst du darin? → wie bei Wolken Formen entdecken und einzeichnen (surrealistischer Ansatz à la Max Ernst)
  • Frottage als Textur in Tierzeichnungen einsetzen (Fell, Schuppen, Gefieder)
  • Stadtplan oder Architektur aus reinen Frottage-Flächen entwickeln

 

Gestalte ein konkretes oder abstraktes Bild mit deinen Frottage-Beispielen.