Alternative Bearbeitung

 

Schmuckschatulle (Heisskleber-Alufolie-Relief)

 

Wortherkunft

Das Wort Schmuck stammt aus dem Mittelhochdeutschen smuc und bedeutet ursprünglich «das, womit man sich schmückt» – also Zierrat, Zierde. Schatulle leitet sich vom italienischen «scatola» ab, was schlicht «Schachtel» oder «Kästchen» bedeutet. Die Übernahme ins Deutsche erfolgte wahrscheinlich über den Handel – Italien war im Spätmittelalter und der Renaissance das Zentrum des europäischen Luxusgüterhandels. Lautlich entwickelte sich scatola über schatola zu Schatulle. Eine Schmuckschatulle ist also wörtlich ein Behältnis für Zierrat, meist mit Deckel und kunstvoll verziert.

 

Was ist eine Schmuckschatulle?

Eine Schmuckschatulle ist ein meist kleines, verschliessbares Kästchen, das speziell zur Aufbewahrung und Präsentation von Schmuck dient – Ringe, Ketten, Ohrringe, Armbänder, Broschen. Sie schützt die Objekte vor Beschädigung, Verlust und Oxidation und ist gleichzeitig selbst ein Gestaltungsobjekt mit ästhetischem Anspruch.

Im Kunstunterricht ist sie interessant, weil sie Funktion und Form verbindet: Innen- und Aussengestaltung, Scharnier und Verschluss, Oberfläche und Material – alles muss zusammen gedacht werden.

 

Materialien

Schmuckschatullen wurden und werden aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt:

Traditionell

  • Holz – am häufigsten; oft lackiert, gebeizt, intarsiert oder geschnitzt
  • Metall – Silber, Messing, Bronze; gegossen oder getrieben
  • Leder – als Bezug über einem Holzkern, innen oft mit Samt oder Seide ausgeschlagen
  • Elfenbein / Knochen – historisch sehr verbreitet, heute weitgehend verboten oder ersetzt

Moderne Materialien

  • Kunststoff / Acryl – industriell, preiswert, transparent möglich
  • Pappe / Karton – handwerklich, gestalterisch vielseitig
  • Keramik / Ton – oft skulpturale Formen
  • Kombinationen – z. B. Holz mit Metallelementen, Stoff-Inlays, Resin-Oberflächen

 

Gestaltungselemente

Eine Schmuckschatulle besteht typischerweise aus:

  • Korpus (Hauptkörper / Gehäuse)
  • Deckel (fest, abnehmbar oder mit Scharnier)
  • Verschluss (Haken, Magnet, Riegel, Schloss)
  • Innenraum (Fächer, Einsätze, Polsterung)
  • Oberfläche (Bemalung, Intarsien, Gravur, Bezug)

 

Relevanz für den Kunstunterricht

Die Schmuckschatulle ist ein ideales Unterrichtsobjekt, weil sie:

  • dreidimensionales Denken fordert (Innen ≠ Aussen)
  • Funktion und Ästhetik verbindet
  • kulturelle und historische Bedeutungsebenen trägt
  • mit einfachen Mitteln (Karton, Holz) bis zu anspruchsvollen Techniken realisierbar ist
  • zur Reflexion über Wert, Schutz und Präsentation einlädt – was schützen wir, und warum?

 

Ideen für Arbeitsaufträge

Ordnen

  • Typische Art-Nouveau-Motive (Ranken, Blüten, Frauenfiguren) sammeln und nach organisch/figürlich sortieren (Pinterest)
  • Relieflinien auf dem Deckel nach Fliessrichtung (zentrifugal / zentripetal) anordnen
  • Fünf verschiedene Art-Nouveau-Ornamente nach Komplexität auf einer Skala aufreihen
  • Heisskleber-Linienmuster auf Probekarton nach Dichte gegenüberstellen (luftig vs. dicht)
  • Vorskizzen nach Symmetrie vs. asymmetrischem Fluss ordnen und vergleichen

Nachahmen

  • Ein bekanntes Jugendstil-Ornament (z. B. aus Mucha oder Klimt) als Heisskleber-Linie nachziehen
  • Ein historisches Schmuckschatullen-Design aus dem Jugendstil als Kartonrelief rekonstruieren

Reduzieren

  • Eine Rosenblüte auf drei wesentliche Linien reduzieren und als Reliefmotiv einsetzen
  • Ein komplexes Jugendstil-Rankenmuster auf ein einziges, fliessend gezogenes Heisskleber-Element vereinfachen

 

Ergänzen

  • Ein halbfertiges Blütenmotiv auf dem Deckel mit Rankwerk und Blättern weiterentwickeln
  • Die Schatulle rundum mit einer Ornamentbordüre ergänzen, die den Deckel weiterführt

 

Transformieren

  • Den eigenen Initialbuchstaben in einen jugendstiltypischen Ornamentbuchstaben transformieren

 

Kombinieren

  • Jugendstil-Ornamentik mit einem persönlichen Symbol (Monogramm, Lieblingstier) verschmelzen

 

Interpretieren

  • Das Thema «Geheimnis» als Jugendstil-Relief auf dem Schachteldeckel symbolisieren
  • Eine Jahreszeit in organische Linien und Motive übersetzen (z. B. Winter als kahle Äste)
  • Ein persönliches Lieblingslied als Linien-Rhythmus im Reliefmuster interpretieren
  • Den Begriff «Vergänglichkeit» durch Jugendstil-typische Motive (Blüten, Schmetterlinge) darstellen
  • Eine bekannte Kunstfigur (z. B. Klimts «Kuss») im eigenen Relief umfunktionieren und dekontextualisieren

Mit dem Zufall gestalten

  • Heisskleber unkontrolliert auf den Deckel tropfen lassen und in die entstehenden Formen nachträglich Jugendstil-Linien einarbeiten
  • Die Alufolie auf dem getrockneten Relief zufällig einritzen und die entstehenden Strukturen bewusst in das Design integrieren
  • Heisskleberfäden durch zufälliges Schwenken auf den Deckel fallen lassen und zum Muster ergänzen
  • Mit geschlossenen Augen eine erste Linie ziehen und daraus ein vollständiges Ornament weiterentwickeln
  • Zufällig gewählte Art-Nouveau-Bildausschnitte als Ausgangspunkt für das Relief nehmen und spontan reagieren

Gestaltung passiv zulassen

  • Heisskleber bewusst langsam und ohne Steuerung über den Deckel fliessen lassen und das Ergebnis belassen
  • Alufolie über das fertige Relief legen, ohne nachzudrücken – die Eigenspannung des Materials bestimmt die Form
  • Dem Karton erlauben, sich unter der Hitze leicht zu verziehen, und diese Form als Gesamtgestalt akzeptieren
  • Eine Mitschülerin / einen Mitschüler die erste Heisskleber-Linie ziehen lassen und darauf aufbauen
  • Den Trocknungsprozess des Heisskleber-Reliefs beobachten, fotografisch festhalten und als eigenständiges Kunstwerk dokumentieren

Erfinden

  • Ein völlig eigenes Art-Nouveau-inspiriertes Fabelwesen erfinden und als Mittelmotiv gestalten
  • Eine fiktive Schmuckschatulle für eine imaginäre Jugendstil-Persönlichkeit entwickeln (inkl. Namensschild)
  • Ein neues Jugendstil-Ornament erfinden, das ausschliesslich auf der eigenen Handschrift basiert
  • Eine Erzählung in drei Szenen erfinden und als narrative Relieffolge auf Deckel und Seitenwänden darstellen
  • Ein Schachtelsystem aus mehreren ineinandergestapelten Kartonschatullen erfinden, bei dem jede Ebene ein eigenes Sujet trägt