Plastizität
Plastizität beschreibt die Fähigkeit eines Kunstwerks, dreidimensionale Körperlichkeit zu erzeugen – also den Eindruck, dass Formen greifbar, massiv und räumlich präsent sind, auch wenn sie auf einer flachen Fläche dargestellt werden. Ein plastisch wirkendes Bild lässt dich die Greifbarkeit eines Objekts fast körperlich spüren: Du glaubst, die Rundung einer Schulter, die Rauheit eines Steins oder die Schwere eines Stofffalts ertasten zu können.
Wie entsteht eine dreidimensionale Körperlichkeit auf einem zweidimensionalen Blatt?
Diese räumliche Wirkung entsteht nicht zufällig – sie ist das Ergebnis gezielter gestalterischer Entscheidungen:
- Form gibt Objekten ihre äussere Gestalt und lässt sie als Körper im Raum erscheinen.
- Der Materialcharakter und die Beschaffenheit einer Oberfläche – ob glatt, rau, porös oder glänzend – verstärken den Eindruck von Stofflichkeit und Realität.
- Licht und Schatten modellieren die Form, indem sie Volumen sichtbar machen und Tiefe erzeugen. Die Perspektive schafft räumliche Staffelung und lässt Objekte vor- oder zurücktreten.
- Perspektive und Kamerawinkel erzeugen eine interessante Ansicht.
- Schliesslich bestimmen Bildformat und Bildausschnitt, wie nah oder fern, wie dominant oder zurückhaltend ein Körper im Bild wirkt – und damit, wie stark seine plastische Präsenz spürbar wird.
📝 Auftrag: Objekt ertasten
Unter einem Tuch liegt ein Objekt. Ertaste es, ohne es mit den Augen zu betrachten. Skizziere es auf ein Blatt.
📝 Auftrag: Nachahmung
Kopiere den Schraffurstil auf diesem Bild genau.
SCHÜLERAUFTRAG
Plastizität – Hand hält Aluminiumdose
Tuschezeichnung in Schraffurtechnik · Mensch und Objekt · Format A3
Projektübersicht
Fach: Bildnerisches Gestalten (BG 9)
Thema: Plastizität – dreidimensionale Körperlichkeit
Objekt: Geöffnete / deformierte Aluminiumdose, gehalten von einer oder zwei Händen
Technik: Tuschezeichnung in Schraffurtechnik
Format: A3
Zielgruppe: Teenager
Dauer: ca. 10–12 Lektionen
Materialien: Zeichenfeder / Fineliner, Tusche (schwarz), A3-Zeichenpapier, Bleistift, Lineal, Radiergummi
Aufgabenstellung
Eine Hand hält eine geöffnete Aluminiumdose. Dieses Zusammenspiel von Mensch und Objekt ist dein Bildthema. Zeichne die Szene in einer interessanten, dramatischen Perspektive auf A3 – als Detailansicht, in der sowohl die Dose als auch die haltenden Hände klar erkennbar sind. Das Ziel ist nicht die fotorealistische Kopie, sondern die zeichnerische Auseinandersetzung mit Plastizität: Form, Materialcharakter, Licht und Schatten zweier völlig unterschiedlicher Oberflächen – das glänzende Metall der Dose und die weiche, organische Haut der Hände – werden allein durch gezielte Schraffurtechniken sichtbar gemacht.
Die Schraffur ist dein einziges Werkzeug: Mit der Richtung, Dichte und Überlagerung der Striche erzeugst du Hell-Dunkel-Übergänge, die sowohl die metallische Oberfläche der Dose als auch die Hautstruktur, Gelenke und Adern der Hände zum Leben erwecken.
Der spannende Bildkontrast liegt im Aufeinanderprallen zweier Welten: das harte, glänzende, industrielle Aluminium vs. die weiche, warme, organische Hand. Nutze unterschiedliche Schraffurtechniken für die beiden Materialien – das ist der eigentliche gestalterische Kern dieser Arbeit.
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