Kulturelle Unterschiede

 

Internationale Standards (wie ISO-Normen) versuchen, Zeichen für Flughäfen oder Bahnhöfe komplett kulturneutral zu gestalten. Dennoch zeigen Studien zur interkulturellen Kommunikation, dass Nuancen wie „Kälte“ oder „Hobby“ je nach Herkunftsland völlig andere visuelle Assoziationen hervorrufen. Während US-Amerikaner bei Symbolen oft isolierte Einzelobjekte betrachten, achten Menschen in asiatischen Kulturkreisen stärker auf das Gesamtbild und den Kontext.

 

Toiletten Piktogramme

 

Eine Sammlung von Toilettenschildern:

https://www.bilderlernen.at/toilettenschilder-eine-sammlung/ 

 

Das Toilettenschild (WC-Piktogramm) ist das weltweit bekannteste Symbol, das je nach Kulturkreis völlig unterschiedlich gestaltet wird oder andere Bedeutungen trägt. Obwohl westliche Standards (Hose vs. Rock) weit verbreitet sind, stossen Reisende global auf fundamentale Unterschiede in Farbe, Kleidung und Verhaltenshinweisen.

  1. Der Farbwechsel (Japan vs. Westen)
  • Westen: Die Strichmännchen sind meist einfarbig weiss, schwarz oder grau auf die Tür gedruckt. Die Farbe spielt für das Geschlecht selten eine Rolle.
  • Japan: Hier ist die farbliche Trennung extrem strikt im Alltag verankert. Das Piktogramm für Männer ist fast immer Blau, das für Frauen Rot. Eine Verwechslung der Farben führt in Japan oft zu grosser Verwirrung, selbst wenn die Form eindeutig ist.
  1. Traditionelle Kleidung statt Hosen/Röcke

In vielen Ländern wird das westliche Konzept von „Frau im Rock“ und „Mann in der Hose“ als unpassend empfunden, da Männer dort traditionell Wickelröcke oder Gewänder tragen.

  • Schottland: Hier findet man gelegentlich Schilder, bei denen der Mann einen Kilt (Schottenrock) trägt.
  • Arabischer Raum / Nordafrika: Symbole zeigen oft Silhouetten mit traditionellen Kopfbedeckungen (wie dem Turban oder der Keffiyeh für Männer) oder langen Gewändern (wie der Abaya für Frauen).
  1. Schriftzeichen statt Symbole (Ostasien)

In Ländern wie China, Taiwan oder Japan wird im Alltag oft komplett auf visuelle Körper-Silhouetten verzichtet. Stattdessen prangen die traditionellen Schriftzeichen (Hanzi/Kanji) an den Türen:

  • 男 (nán) steht für Mann.
  • 女 (nǚ) steht für Frau.
    Für Touristen ohne Sprachkenntnisse führt dies regelmässig zu Orientierungslosigkeit.
  1. Piktogramme zur Nutzung (Stehklo vs. Sitzklo)

Auch die Hinweisschilder in der Kabine unterscheiden sich drastisch basierend auf der Sanitärkultur des Landes:

  • Asien / Naher Osten: In Regionen, in denen Stehtoiletten (Squat Toilets) der Standard sind, findet man auf westlichen Sitztoiletten oft Warnpiktogramme. Diese zeigen ein durchgestrichenes Männchen, das mit den Füssen auf der Klobrille hockt.
  • Westen: Schilder in Kabinen weisen eher auf das Verbot hin, Damenhygieneartikel oder Papier in die Toilette zu werfen. In Ländern mit empfindlichen, dünnen Abwasserrohren (z. B. Griechenland oder Teilen Südamerikas) fordert ein Piktogramm wiederum explizit dazu auf, das Klopapier in den Eimer daneben zu werfen.

Designtipps für internationale Symbole

Hier sind die wichtigsten Designprinzipien für die Erstellung kulturübergreifender und international verständlicher Symbole:
 
1. Abstrakte statt realistische Formen nutzen
  • Menschliche Silhouetten: Vermeiden Sie spezifische Kleidungsstücke, Frisuren oder Körperformen. Nutzen Sie stattdessen die geschlechtsneutralen Standard-Strichmännchen (ISO-Standard).
  • Objekte reduzieren: Zeichnen Sie keine spezifischen Produktmodelle. Ein Festnetztelefon aus den 1990er-Jahren wird von Jugendlichen weltweit oft nicht mehr erkannt; nutzen Sie stattdessen universell gelernte, minimalistische Icons.
2. Kulturell aufgeladene Metaphern vermeiden
  • Keine Tier-Metaphern: Eine Eule steht im Westen für Weisheit, gilt in Teilen Asiens und Afrikas jedoch als Vorbote von Pech oder Dummheit.
  • Keine Handgesten: Das „OK“-Zeichen (Daumen und Zeigefinger zum Kreis) ist in manchen Ländern extrem beleidigend. Das „Daumen hoch“-Symbol wird im Nahen Osten oft negativ interpretiert.
  • Keine lokalen Alltagsgegenstände: Ein Briefkasten sieht weltweit überall völlig anders aus. Nutzen Sie stattdessen das neutrale Bild eines Briefumschlags für Post oder Nachrichten.
3. Vorsicht bei der Farbwahl
Farben transportieren je nach Kulturkreis völlig gegensätzliche Bedeutungen:
  • Rot: Steht im Westen oft für Gefahr oder Stopp, in China hingegen für Glück, Erfolg und Wohlstand.
  • Weiss: Bedeutet im westlichen Raum Reinheit und Frieden, ist in vielen asiatischen Ländern jedoch die traditionelle Farbe für Trauer und Tod.
  • Gelb: Signalisiert im Westen Warnung, steht in Ägypten für Trauer und in Japan für Mut.
4. Leserichtung und Leseraster beachten
  • Chronologie: Im Westen wird von links nach rechts gelesen. Symbole, die eine zeitliche Abfolge oder Bewegung darstellen, müssen für den arabischen oder hebräischen Raum gespiegelt werden.
  • Blickrichtung: Fahrzeuge oder rennende Figuren sollten in Ländern mit Links-nach-Rechts-Schrift nach rechts zeigen, um Dynamik und Vorwärtsbewegung zu signalisieren.

 

 

Gefahrenschild «Achtung Kinder» weltweit