Gesichtsproportionen
3 Gesichtsbereiche: Drittelregel
- Obergesicht: Scheitel bis Stirn = 1/3
- Mittelgesicht: Augenbraue bis Nase = 1/3
- Untergesicht: Nase bis Kinn = 1/3
Daumenregeln
- Drittelregel: Obergesicht, Mittelgesicht, Untergesicht
- 5-Augen-Breite: Augenabstand = Augenbreite
- Pupillensenkrechte trifft Mundwinkel
- Ohrenplatzierung: Augenlinie bis Nasenflügellinie
📝Auftrag: Platzierung der Gesichtsteile
Schneide die Gesichtsteile unterhalb der schematischen Kopfdarstellung aus und platziere diese gemäss der idealen Verteilung (Drittelregel).
Durchschnittsgesichter
Christopher Solomon von der University of Kent ließ 100 Briten das für sie perfekte Gesicht zusammenstellen, 100 weitere Probanden sollten aus diesen Bildern wiederum ihren Favoriten auswählen. Herausgekommen sind diese beiden Prototypen.
Gemeinsame Merkmale beider Gesichter
— Ovale Gesichtsform, symmetrisch
— Augen auf der Mittellinie des Gesichts, gleichmässig weit auseinander
— Nase gerade, mittellang, zur Gesichtsgrösse proportional
— Mund mittelbreit, Oberlippe und Unterlippe ausgewogen
— Kiefer sanft zulaufend, kein dominantes Kinn
— Keine sichtbaren Asymmetrien
— Keine Mimikspuren
— Kein dominantes Einzelmerkmal
— alles gleichwertig
Karikatur = Abweichung vom Durchschnittsgesicht
Diese Gesichter sind das Gegenteil einer Karikatur: kein Merkmal führt, nichts fällt heraus. Genau deshalb sind sie für die Karikatur unbrauchbar — und für den Unterricht unverzichtbar als Vergleichsbild.
Version 2
96 Gesichter (64 Frauen, 32 Männer, 17–29 Jahre) wurden standardisiert fotografiert und von Versuchspersonen auf einer 7-Punkte-Skala nach Attraktivität bewertet. Anschliessend wurden ähnlich attraktive Gesichter mit dem Programm Morpher 3.0 digital gemorpht – also zu neuen Durchschnittsgesichtern zusammengerechnet.
Hier sind die beiden Gewinner:
Charakterköpfe
Charakterköpfe weichen bewusst vom «Ideal» ab – genau das macht sie interessant.
- Proportionen Etwas ist zu gross, zu klein, zu weit, zu nah: eine überdimensionale Nase, ein zu schwerer Kiefer, zu weit gestellte Augen. Die Abweichung vom Kanon schafft Wiedererkennbarkeit.
- Asymmetrie Kein Gesicht ist symmetrisch – bei Charakterköpfen ist das besonders sichtbar. Eine höhere Augenbraue, ein schiefer Mund, eine ungleiche Wange.
- Mimikspuren Falten, Furchen, Nasolabialfalten, Tränensäcke – das Leben ist ablesbar. Das Gesicht erzählt eine Geschichte.
- Dominante Einzelmerkmale Ein Merkmal übernimmt die Führung: der Mund bei Mick Jagger, die Nase bei Adrien Brody, die Augen bei Cillian Murphy. Das Gesicht hat ein «Zentrum».
- Ausdruck auch in Ruhe Charakterköpfe wirken, ohne zu lächeln. Die Grundform selbst transportiert schon eine Haltung – Strenge, Melancholie, Misstrauen, Würde.
Ron Perlman
Überproportional grosser Kiefer und Kinn, breite Stirn – fast karikaturhaft markant
Adrien Brody
Aussergewöhnlich grosse, gebogene Nase dominiert das Gesicht, langes Oval
Willem Dafoe
Sehr breiter Mund, markante Wangenknochen, tief liegende Augen – wirkt fast maskenartig
Helena Bonham Carter
Grosse, weit gestellte Augen, kleiner Mund, schmales Kinn – fast puppenhaft
Whoopi Goldberg
Kaum sichtbare Augenbrauen, breite Nase, grosser Mund – unverwechselbare Silhouette
Kathy Bates
Volles, rundes Gesicht, starke Nasolabialfalten, kraftvoller Ausdruck
📝Auftrag: Beschrieb des Gesichts
Betrachte das Portrait von Ron Perlman. Was fällt dir auf?
- Gesichtsform
- Proportionen (Drittel, Drittel, Drittel)
- Dominante Einzelmerkmale
Proportionen
Das Gesicht ist aussergewöhnlich breit und massiv — Kiefer und Schädel wirken fast rechteckig. Die Stirn ist unverhältnismässig hoch und breit. Die Augen sind dagegen relativ klein — der Kontrast zwischen riesigem Schädel und kleinen Augen ist das stärkste Proportionsmerkmal.
Asymmetrie
Die linke Augenbraue sitzt deutlich tiefer als die rechte — das gibt ihm den permanent skeptischen Blick. Der Mund ist leicht nach unten rechts gezogen. Insgesamt ein Gesicht, das auf keiner Seite gleich ist.
Mimikspuren
Tiefe horizontale Stirnfalten — mehrere Lagen übereinander. Die Nasolabialfalten sind stark ausgeprägt und ziehen weit nach unten. Das Gesicht wirkt wie in Leder gemeisselt — jede Falte sitzt tief und hart.
Dominantes Einzelmerkmal
Die Stirn — sie führt. Gross, gefurcht, vorgeschoben. Danach kommt der Kiefer als zweites Machtzentrum. Das Gesicht wird von oben und unten dominiert, die Mitte (Augen, Nase) wirkt fast klein dagegen.
Ausdruck in Ruhe
Ohne jede Mimik transportiert das Gesicht: Schwere, Misstrauen, Kontrolle. Die heruntergezogenen Mundwinkel, die tiefen Brauen — das ist kein neutraler Gesichtsausdruck, das ist ein Charakter.
Karikatur-Fazit:
Wenige Gesichter sind dankbarer. Stirn stark überhöhen, Kiefer verbreitern, Augen verkleinern — und die Falten wie Schluchten ziehen. Drei Eingriffe reichen für sofortige Erkennbarkeit.
Hauptgesichtslinien mit T-Gerüst
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