Perspektivische Mittel der Tiefe

 

📝 Auftrag 1

Als Künstler/Künstlerin hast du ein Problem: Dein Papier oder deine Leinwand ist zweidimensional flach – aber du willst einen dreidimensionalen Raum darstellen. Wie geht das? Welche Möglichkeiten stehen dir zur Verfügung, um die Illusion eines Raumes darzustellen?

Schneide diese grafischen Elemente aus und erstelle eine Landschaft mit Tiefenwirkung. Füge alle Elemente ein.

 

Einfache Mittel der Tiefe

1. Höhenunterschied
Der Höhenunterschied von Objekten ist das älteste und einfachste Mittel der Raumdarstellung. Objekte, die im Bild unten angeordnet sind, befinden sich vorne, solche, die sich weiter oben befinden, hinten.

2. Überdeckung
Ein bereits in der antiken ägyptischen Wandmalerei eingesetztes Mittel ist die Überdeckung, die sich ebenfalls aus den räumlichen Seherfahrungen ableitet. Objekte mit teilweise verdeckten Formen scheinen sich weiter entfernt bzw. tiefer im Raum zu befinden als nicht verdeckte

3. Staffelung:
Findet eine Überdeckung von Bildobjekten in einer bestimmten Richtung und mit systematischen Abständen statt, spricht man von Staffelung.

4. Größenunterschied:
Werden Bildobjekte, die in der Realität gleich groß sind, auf der Bildebene unterschiedlich groß dargestellt (Größenunterschied), scheinen die kleineren Objekte weiter entfernt zu sein als die größeren. Findet diese bewusste Verkleinerung der Bildelemente von unten nach oben auf der Bildebene statt, erreicht man eine starke Tiefenräumlichkeit.

Komplexere Mittel der Tiefe

 

 

5. Detailabnahme (Schärfe)

Prinzip: Je weiter weg, desto weniger Details sieht man.

Beispiel: Ein Gesicht ganz vorne: Du siehst jede Wimper, jeden Poren. Ein Gesicht 50 Meter entfernt: Du erkennst nur noch grobe Formen.

Anwendung: Vordergrund = viele Details und Texturen. Hintergrund = vereinfachte Formen.


6. Farbperspektive (Luftperspektive)

Prinzip: Je weiter weg, desto blasser und bläulicher werden Farben.

Beispiel: Berge in der Ferne erscheinen blau-grau, nicht grün wie in der Nähe. Das liegt an der Luftschicht dazwischen.

Anwendung:

  • Vordergrund = kräftige, warme Farben (Rot, Orange, sattes Grün)
  • Hintergrund = blasse, kühle Farben (Hellblau, Grau, verwaschen)

7. Linien- oder Fluchtpunktperspektive

Prinzip: Parallele Linien laufen in der Ferne zu einem Punkt zusammen (Fluchtpunkt).

Beispiel: Eisenbahnschienen: Vorne sind sie weit auseinander, hinten treffen sie sich am Horizont.

Anwendung: Zeichne ein Zimmer oder eine Strasse mit Linien, die alle zu einem Punkt auf der Horizontlinie laufen.


8. Licht und Schatten

Prinzip: Kontraste nehmen in der Ferne ab.

Beispiel: Ein schwarzer Pullover direkt vor dir ist tiefschwarz. 100 Meter entfernt erscheint er nur noch dunkelgrau.

Anwendung: Vordergrund = starke Hell-Dunkel-Kontraste. Hintergrund = alles wird mittlerer, matter.

 

📝 Auftrag 2

Wähle eine Landschaftsfotografie mit vielen Ebenen (Vorder-, Mittel- und Hintergrund) aus und erstelle eine farbige Tonpapiercollage in Format Aç. Beachte dabei die bildnerischen Mittel der Tiefe (Höhenunterschiede, Überdeckung, Staffelung, Grössenunterschiede, Farbperspektive). 

 

Erzwungene Perspektive (Forced Perspective)

 

Definition

Erzwungene Perspektive ist eine optische Täuschung, bei der Objekte durch geschickte Positionierung im Raum grösser oder kleiner erscheinen, als sie tatsächlich sind.

Kernprinzip

Man nutzt die natürliche Wahrnehmung, dass entfernte Objekte kleiner erscheinen – aber manipuliert dies bewusst durch:

  • Positionierung der Objekte im Raum
  • Kamerawinkel (bei Fotografie)
  • Distanz zwischen den Objekten

Wie funktioniert es?

Grundregel:

  • Objekt A nahe der Kamera = erscheint GROSS
  • Objekt B weit von der Kamera = erscheint KLEIN
  • Durch präzise Positionierung erscheinen sie gleich gross oder in absurdem Verhältnis

Wichtig: Die Illusion funktioniert nur aus EINEM spezifischen Blickwinkel!

Aufgaben für Schüler:innen

Einfach:

  1. Hand nah vor die Kamera, Mitschüler weit weg – Hand erscheint riesig
  2. Objekt "auf der Hand balancieren" (Baum, Gebäude, Auto)

Mittel: 3. Tourist-Fotos nachstellen (Turm stützen, etc.) 4. Person erscheint winzig in Schuhkarton oder Tasse

Anspruchsvoll: 5. Miniatur-Szenerie bauen, die fotorealistisch wirkt 6. Verschiedene Personen erscheinen gleich gross (obwohl unterschiedlich weit weg)

Technische Tipps

  • Kameraposition fixieren (Stativ verwenden)
  • Augenhöhe beachten – meist auf Augenhöhe fotografieren
  • Scharfstellung – manchmal muss alles scharf sein (kleine Blende)
  • Geduld – präzise Positionierung braucht Zeit!

Fachbegriffe

  • Erzwungene Perspektive / Forced Perspective
  • Optische Täuschung / Optical Illusion
  • Scheinperspektive
  • Perspektivische Verzerrung

Praktische Aufträge

 

Auftrag Foto: «Urlaubsfoto»

  • Interagiere als Person mit deiner Umgebung/Architektur
  • Techniken: Forced Perspective, Fotomontage, oder Modellbau
  • Beispiele: Du stehst auf einem Teller, versteckst dich in einer Tasse, kletterst auf einem Bleistift

Auftrag Foto: «Ich als Miniatur-Mensch in grosser Welt»

  • Fotografiere dich selbst als winzige Person in normaler Umgebung
  • Techniken: Forced Perspective, Fotomontage, oder Modellbau
  • Beispiele: Du stehst auf einem Teller, versteckst dich in einer Tasse, kletterst auf einem Bleistift

 

Auftrag Foto: «Little People in grosser Welt»

  • Fotografiere kleine Figuren in normaler Umgebung
  • Techniken: Forced Perspective, Fotomontage, oder Modellbau
  • Beispiele: Little People, Big Food

 

Auftrag Foto: «Alltagsobjekt als Monument»

  • Wähle einen kleinen Alltagsgegenstand (Büroklammer, Löffel, Zahnbürste)
  • Stelle ihn fotografisch als riesiges Monument dar
  • Nutze erzwungene Perspektive oder Fotomontage
  • Menschen/Gebäude als Grössenbezug einbauen

Kombinationsaufträge

 

Auftrag: "5-teilige Bildserie Massstabs-Reise" !!!

  • Erstelle eine Bildserie (mind. 4 Bilder) eines Objekts
  • Jedes Bild zeigt es in anderem Massstab/Kontext:
    1. Als Miniatur in deiner Hand
    2. In Lebensgrösse auf dem Tisch
    3. Als grosses Objekt im Raum
    4. Als monumentales Objekt in der Landschaft

 

Auftrag Q: "Parallele Welten"

  • Erstelle ein geteiltes Bild:
    • Links: Miniaturwelt (alles winzig, detailliert, intim)
    • Rechts: Monumentalwelt (dasselbe Motiv riesig, überwältigend)
  • Zeige den Kontrast deutlich

 

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