Projektauftrag
Plastizität – Hand hält Dose
Tuschezeichnung in Schraffurtechnik · Mensch und Objekt · Format A3
Projektübersicht
Fach: Bildnerisches Gestalten (BG 9)
Thema: Plastizität – dreidimensionale Körperlichkeit
Objekt: Geöffnete / deformierte Aluminiumdose, gehalten von einer oder zwei Händen
Technik: Tuschezeichnung in Schraffurtechnik
Format. A3
Zielgruppe: Teenager
Dauer: ca. 10–12 Lektionen
Materialien: Zeichenfeder / Fineliner, Tusche (schwarz), A3-Zeichenpapier, Bleistift, Lineal, Radiergummi
Aufgabenstellung
Eine Hand hält eine geöffnete Aluminiumdose. Dieses Zusammenspiel von Mensch und Objekt ist dein Bildthema. Zeichne die Szene in einer interessanten, dramatischen Perspektive auf A3 – als Detailansicht, in der sowohl die Dose als auch die haltenden Hände klar erkennbar sind. Das Ziel ist nicht die fotorealistische Kopie, sondern die zeichnerische Auseinandersetzung mit Plastizität: Form, Materialcharakter, Licht und Schatten zweier völlig unterschiedlicher Oberflächen – das glänzende Metall der Dose und die weiche, organische Haut der Hände – werden allein durch gezielte Schraffurtechniken sichtbar gemacht.
Die Schraffur ist dein einziges Werkzeug: Mit der Richtung, Dichte und Überlagerung der Striche erzeugst du Hell-Dunkel-Übergänge, die sowohl die metallische Oberfläche der Dose als auch die Hautstruktur, Gelenke und Adern der Hände zum Leben erwecken.
Der spannende Bildkontrast liegt im Aufeinanderprallen zweier Welten: das harte, glänzende, industrielle Aluminium vs. die weiche, warme, organische Hand. Nutze unterschiedliche Schraffurtechniken für die beiden Materialien – das ist der eigentliche gestalterische Kern dieser Arbeit.
Der siebenstufige bildnerische Prozess
👁️ 1. Beobachten – Plastizität erspüren und verstehen
Was ist Plastizität?
Plastizität beschreibt die Fähigkeit, auf einer flachen Fläche den Eindruck eines dreidimensionalen, greifbaren Körpers zu erzeugen. In dieser Arbeit begegnest du zwei sehr unterschiedlichen Plastizitäten: das metallisch-kühle Aluminium der Dose und die lebendige, warme Haut der Hand.
Auf deiner Website findest du alle Theoriegrundlagen:
- Plastizität (Einstieg): https://www.medienundinformatik.online/bg-9/plastizitaet
- Form und Schraffurtechniken: https://www.medienundinformatik.online/bg-9/plastizitaet/form
- Ansichten und Distanz: https://www.medienundinformatik.online/bg-9/plastizitaet/ansichten-und-distanz
- Kamerawinkel: https://www.medienundinformatik.online/bg-9/plastizitaet/kamerawinkel
- Format und Ausschnitt: https://www.medienundinformatik.online/bg-9/plastizitaet/format-und-ausschnitt
Aufträge zum Einstieg
📝 Auftrag 1: Objekt ertasten – Unter einem Tuch liegt eine Dose. Ertaste sie, ohne hinzuschauen. Umfasse sie dann mit einer Hand. Skizziere beides – Dose und Hand – aus dem Gedächtnis auf einem kleinen Blatt.
📝 Auftrag 2: Bildanalyse – Betrachte das Referenzfoto (Dose wird gehalten). Notiere in 3–5 Sätzen: Welche Partien der Dose sind hell, welche dunkel? Wie sieht die Hand im Vergleich aus – weicher, kontrastreicher? Wo überschneiden sich Dose und Finger?
📝 Auftrag 3: Kamerawinkel erkunden – Bitte jemanden, die Dose zu halten. Fotografiere die Szene aus allen 8 Kamerawinkeln (Draufsicht, Vogelperspektive, Aufsicht, Augenhöhe, Heldenansicht, Untersicht, Froschperspektive, Schrägsicht). Welcher Winkel zeigt das Zusammenspiel von Hand und Dose am spannendsten?
📁 2. Sammeln – Inspiration und Bildmaterial zusammenstellen
📝 Auftrag 4: Sammle 5–8 Referenzfotos von Händen, die Dosen oder andere metallische Objekte halten. Suche auch nach Schraffurzeichnungen, die Hände oder metallische Oberflächen zeigen (z.B. in Comiczeichnungen, anatomischen Skizzen, technischen Illustrationen).
📝 Auftrag 5: Erstelle einen Theorieeintrag im Heft zu den 8 Einstellungsgrössen (Weitwinkel bis Detail/Makro) mit je einem Bildbeispiel aus dem Netz.
📝 Auftrag 6: Skizziere die Szene «Hand hält Dose» in 3 verschiedenen Ansichten (z.B. von vorne, von der Seite, von schräg oben) mit Bleistift – klein, je ca. Postkartengrösse.
Hinweise zum Bildformat
Für diese Aufgabe empfehlen sich:
- Hochformat (2:3) → wirkt dynamisch, betont die Vertikale – gut wenn die Hand die Dose von oben hält
- Querformat (3:2) → geeignet für waagrechte Haltung oder breite Detailansicht
Denke auch an die 4 Zuschnittregeln: Drittelregel, Regel des Raumes, Portraitzuschnitt-Regel, Weissraum.
🧪 3. Experimentieren – Schraffurtechniken erproben
Schraffurproben
Es gibt viele Arten der Schraffur. Hier lernst du sie kennen – mit besonderem Blick darauf, welche Technik am besten für metallische Oberflächen und welche für menschliche Haut geeignet ist:
- Parallelschraffur (horizontal / diagonal)
- Kreuzschraffur
- Kontur- / formbeschreibende Schraffur
- Punktierungsschraffur (Stippling)
- Gewobene Schraffur
- Kritzelschraffur
- Zirkulare Striche (Dandelion-Effekt)
- Kombinierte Schraffuren
📝 Auftrag 7: Schraffurproben – Erprobe mindestens 12 unterschiedliche Schraffurtechniken auf einem A4-Blatt. Teile das Blatt in 3 Reihen × 4 Spalten ein. Verwende Tusche und Feder/Fineliner.
📝 Auftrag 8: Helligkeitsstufen – Wähle 4 Schraffurtechniken und erstelle mit jeder davon 7 Helligkeitsstufen (von Weiss bis Schwarz). Nutze dazu einzelne Streifen auf A4.
📝 Auftrag 9: Materialvergleich – Zeichne auf A5 zwei Flächen nebeneinander: links ein Stück Dosenwandung (metallisch, glänzend), rechts eine Handfläche oder ein Finger (weich, organisch). Teste mindestens 3 Schraffurtechniken pro Material. Welche Technik passt zu welchem Material – und warum?
- Entscheiden – Perspektive, Ausschnitt und Technik festlegen
Du hast jetzt die Szene aus vielen Winkeln fotografiert und Schraffurproben mit beiden Materialien gemacht. Nun triffst du deine gestalterischen Entscheidungen für das Hauptbild.
📝 Auftrag 10: Wähle das stärkste Foto aus – eines, auf dem sowohl die Dose als auch die Hände gut sichtbar und interessant positioniert sind. Begründe schriftlich: Welchen Kamerawinkel? Welche Einstellungsgrösse? Wie viel Hand ist sichtbar – nur Finger, oder auch Handgelenk?
📝 Auftrag 11: Lege Bildformat und Ausschnitt fest. Achte darauf, dass die Hände nicht zu stark angeschnitten werden (Portraitzuschnitt-Regel gilt auch für Hände – keine Schnitte bei Gelenken!). Teste deinen Zuschnitt digital und speichere 2–3 Varianten ab.
📝 Auftrag 12: Entscheide dich für 2–3 Schraffurtechniken, die du in der Hauptarbeit kombinieren wirst – eine für das Metall, eine für die Haut. Erstelle ein kleines Testfeld (A5) mit beiden Materialien nebeneinander.
Tipp: Die beste Ansicht ist oft nicht die «ordentlichste» – schräge, dramatische Winkel und extreme Nahaufnahmen erzeugen mehr Bildspannung.
✏️ 5. Verdichten – Tuschezeichnung auf A3 umsetzen
Vorgehen Schritt für Schritt
- Übertrage die Grundstruktur – Dose UND Hände – leicht mit Bleistift auf das A3-Papier. Achte auf korrekte Proportionen und interessante Komposition (Drittelregel!).
- Lege zuerst die grossen Hell-Dunkel-Bereiche fest. Wo beginnt die Hand, wo endet die Dose? Überschneidungen schaffen Bildtiefe.
- Beginne mit der hellsten Schraffurschicht und arbeite dich zum Dunkleren vor. Überlagerungen erzeugen Tiefe – besonders wichtig an den Übergängen Hand/Metall.
- Nutze die formbeschreibende (konturparallele) Schraffur für die Rundungen der Dose – die Striche folgen der zylindrischen Form.
- Für die Hände: Verwende weichere, fliessendere Schraffurlinien. Die Haut hat keine harten Reflexionen wie das Metall – der Übergang zwischen Hell und Dunkel ist sanfter.
- Für harte Reflexionen auf dem Aluminium (Glanzpunkte) lass die Fläche komplett weiss. Das unterscheidet Metall sofort von Haut.
- Letzte Schicht: Tiefe Schattenzonen mit Kreuzschraffur verdichten. Achte besonders auf die Schatten, die die Finger auf die Dosenwandung werfen – das verankert beide Elemente im Bild.
Qualitätskriterien
- Faktor Mensch: Hände sind klar erkennbar und gestalterisch bewusst ins Bild integriert
- Materialkontrast: Die unterschiedlichen Oberflächen – Metall und Haut – sind durch verschiedene Schraffurtechniken sichtbar unterschieden
- Plastische Wirkung: Dose und Hände wirken greifbar, voluminos, dreidimensional
- Technik: Saubere, gezielte Schraffur – keine unkontrollierten Kritzeleien
- Helligkeitsskala: Mindestens 5 erkennbare Helligkeitsstufen vorhanden
- Perspektive: Interessante, ungewöhnliche Ansicht – keine langweilige Frontalansicht
- Ausschnitt: Bildformat und Bildausschnitt sind bewusst gewählt, Drittelregel beachtet
📸 6. Dokumentieren – Den Arbeitsprozess festhalten
📝 Auftrag 13: Fotodokumentation – Fotografiere deinen Arbeitsprozess in mindestens 4 Zwischenschritten: (1) Referenzfoto mit Hand + Dose, (2) Bleistiftskizze, (3) nach der ersten Tuschestruktur, (4) fertige Zeichnung. Lade die Fotos ins Schülerportfolio hoch.
📝 Auftrag 14: Schreibe einen kurzen Prozesskommentar (5–8 Sätze): Was war technisch anspruchsvoll? Was hat gut funktioniert? Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?
🎨 7. Präsentieren – Stille Galerie und Selbstreflexion
Die fertiggestellten A3-Tuschezeichnungen werden in einer Stillen Galerie präsentiert. Jede Zeichnung liegt auf dem Tisch; die Klasse betrachtet die Werke stumm und hinterlässt schriftliche Kommentare auf Post-its.
📝 Auftrag 15: Schreibe zu deiner eigenen Zeichnung 3 Stärken und 1 Entwicklungsmöglichkeit auf einen Post-it.
📝 Auftrag 16: Gib mindestens 2 anderen Mitschülerinnen und Mitschülern ein schriftliches Feedback (je 1 Stärke + 1 konstruktiver Hinweis).
Materialien und Hilfsmittel
Zeichenmaterialien
- A3-Zeichenpapier (100–120 g/m²), weiss
- Zeichenfeder mit Tuschehalter oder Fineliner (0.1 / 0.3 / 0.5 mm)
- Schwarze Tusche (z.B. Pelikan, Rotring)
- Bleistift (HB oder 2H) und Radiergummi für Vorzeichnung
- Lineal und Winkelmesser (für Parallelschraffur-Vorübungen)
- Löschpapier
Objekt und Referenz
- 1 geöffnete und leicht deformierte Aluminiumdose (mitbringen)
- Eine Person als Model – zum Halten der Dose während der Fotoaufnahmen
- Eigene Fotos der Szene «Hand hält Dose» (auf eigenem Gerät)
- Referenzfoto (s. Aufgabenstellung oben)
Digitale Hilfsmittel
- Smartphone / Kamera für Fotos der Dose und Prozessdokumentation
- Online-Zuschnitt Tool 1: https://imageresizer.com/crop-image/editor
- Online-Zuschnitt Tool 2: https://www1.lunapic.com/editor/?action=quick-crop
Reflexionsfragen
Beantworte die folgenden Fragen schriftlich in deinem Heft oder Skizzenbuch:
- Was ist dir an der Schraffurtechnik besonders gut gelungen?
- Wie hast du den Unterschied zwischen Metall und Haut zeichnerisch dargestellt?
- Welchen Kamerawinkel hast du gewählt und warum?
- Wie haben die Hände die Bildkomposition verändert oder verbessert?
- Was war das Schwierigste: die Dose oder die Hände zeichnen?
- Was würdest du beim nächsten Mal an Komposition oder Technik ändern?
Theorie – Lernressourcen
Alle Theorieinhalte zu diesem Projekt findest du auf der Kurswebsite:
- Plastizität – Einstieg: https://www.medienundinformatik.online/bg-9/plastizitaet
- Form und Schraffurtechniken: https://www.medienundinformatik.online/bg-9/plastizitaet/form
- Ansichten und Distanz: https://www.medienundinformatik.online/bg-9/plastizitaet/ansichten-und-distanz
- Kamerawinkel: https://www.medienundinformatik.online/bg-9/plastizitaet/kamerawinkel
- Format und Ausschnitt: https://www.medienundinformatik.online/bg-9/plastizitaet/format-und-ausschnitt
Erstelle deine eigene Website mit Webador