Karikatur

 

Wortdefinition

 

Eine Karikatur ist eine zeichnerische Darstellung einer real existierenden Person, bei der charakteristische Merkmale bewusst übertrieben werden — mit dem Ziel, die Person erkennbar und kommentierend darzustellen.

Die 3 Merkmale einer Karikatur

Merkmal Erklärung
Reale Person Die Karikatur zeigt jemand, den es wirklich gibt (keine erfundene Person)
Bewusste Übertreibung Typische Merkmale werden vergrössert, vereinfacht oder verfremdet, aber nie zufällig.
Erkennbarkeit Man soll die Person trotz aller Übertreibung sofort erkennen. Ohne Erkennbarkeit ist es keine Karikatur.

Abgrenzung zu anderen Darstellungen

Eine Karikatur steht und fällt mit der Erkennbarkeit.

Ist die Person nicht erkennbar, ist es kein Porträt und keine Karikatur, sondern nur eine Zeichnung.

Diskussion: Wann verletzt eine Karikatur?

 

  • Was wird übertrieben?
  • Wen trifft die Übertreibung — eine Person oder eine ganze Gruppe?
  • Was ist die Absicht: Kritik, Humor, Demütigung?

 

Darf man alles zeichnen?

 

Frage Günther Jauch Serena Williams
Was wird übertrieben? Gesichtsmerkmale (Brille, Ohren, Kinn) Körperbau, Gesichtszüge, Haare
Wen trifft die Übertreibung? Einzelperson Einzelperson + schwarze Bevölkerungsgruppe: greift auf rassistische Bildtradition (schwarze Menschen) zurück =) Stereotype
Was ist die Absicht? Kritik? Humor? Demütigung? Erkennbarkeit, Humor Kritik an Verhalten auf Platz, Demütigung (im Vergleich zu schlanker Gegnerin)

Grenzen der Karikatur

 

Historisch / politisch

Antisemitische Karikaturen im NS-Deutschland (Der Stürmer, 1923–1945): Juden mit überzeichneten Nasen, Geldgier-Symbolen — keine Übertreibung eines Individuums, sondern Stigmatisierung einer ganzen Gruppe. Heute klar als Propaganda eingestuft.

Rassistische Karikaturen im 19./20. Jh. in europäischen und amerikanischen Zeitungen: Schwarze Menschen mit tierähnlichen Zügen dargestellt — diente der Legitimierung von Kolonialismus und Sklaverei.

Charlie Hebdo / Mohammed-Karikaturen (2005/2015): Löste weltweit heftige Reaktionen aus — Millionen Menschen fühlten sich in ihrem Glauben verletzt. Diskussion: Ist Religionskritik durch Satire gedeckt? Ja — aber die Wirkung ist nicht kontrollierbar.


Im Alltag / unter Jugendlichen

— Karikaturen, die gezielt Akne, Übergewicht oder eine Behinderung übertreiben — kein Augenzwinkern, sondern Mobbing mit Zeichenstift.

— Karikaturen, die anonym kursieren (z. B. auf dem Handy weitergeleitet) — das Publikum lacht, das Modell erfährt es zuletzt.

 

Unsere 3 Regeln für Karikaturen

1. Ich übertreibe — ich erniedrige nicht.

Ich überzeichne, was eine Person typisch macht. Ich mache keine Witze über Dinge, die jemanden verletzen oder die er/sie nicht ändern kann.

2. Meine Karikatur könnte ich der Person ins Gesicht zeigen.

Wenn ich sie verstecken würde — ist es keine Karikatur mehr.

3. Ich zeichne Menschen — keine Gruppen.

Ich karikiere eine Person, nicht eine Herkunft, Religion oder Hautfarbe.

 

📝Auftrag: Lieblingspromi

Zeichne deinen Lieblingspromi in Vektor-Illustration im Editorial-Stil.

 

  • Klare, vereinfachte Konturlinie (typisch Vektorgrafik) 
  • Flächige Farbgebung mit wenig Verlauf
  • Falten und Gesichtsdetails vorhanden, aber stilisiert
  • Erkennbarkeit steht im Vordergrund — Merkel ist sofort erkennbar 

Projektauftrag

Kategorie Inhalt
Fach Bildnerisches Gestalten
Thema Karikatur – das übertriebene Portrait
Zielgruppe Teenager
Dauer 12–14 Lektionen
Technik Aquarell mit Fineliner-Konturlinien
Format A4, Hochformat, Aquarellpapier
Endprodukt Farbige Karikatur eines Mitschülers / einer Mitschülerin

Aufgabenstellung

Du erstellst eine farbige Karikatur eines Mitschülers oder einer Mitschülerin. Eine Karikatur übertreibt bewusst markante Gesichtsmerkmale, um eine Wirkung zu erzeugen – lustig, kritisch oder charakterstark. Dabei bleibt die Person trotzdem erkennbar.

Dein Endprodukt enthält:

▸  Eine A4-Karikatur mit klar erkennbaren, überzeichneten Gesichtsmerkmalen

▸  Fineliner-Konturlinien als Grundlage (sauber, sicher geführt)

▸  Aquarellfarben für die Kolorierung (Farbflächen, Schatten, Akzente)

▸  Einen eigenständigen Zeichenstil (realistisch, cartoon oder expressiv)

 

Lektionsplanung

 

Woche Lektion 1 Lektion 2
1 Einstieg mit Karikaturbildern Wortdefinition 3 Merkmale von Karikaturen Abgrenzung zu Portrait, Cartoon, Comic Diskussion: Wann verletzt eine Karikatur? 3 Regeln Auftrag: Lieblingspromi als Portrait in Konturlinie und flächiger Farbe umsetzen
2 Gesichtsteile beschriften (3 Begriffe: Adamsapfel, Amorbogen, Philtrum) 8 Gesichtsformen Gesichtsformen von Promis bestimmen Auftrag: Gesichtsform von Promi wechseln (z. B. von länglich-schmal zu runder Gesichtsform oder Collage von Gesichtsteilen zu Karikatur (Nasen, Augen, Mund) Extra: Was macht ein schönes Gesicht aus?
3 Collage: Gesichtsteile platzieren Drittelregel und Daumenregeln beschriften Durchschnittsgesichter: 2 Versionen, Eigenschaften Charakterköpfe: Beispiel von Promis, Eigenschaften Analyse von Ron Perlman Auftrag: eigene Karikatur von Ron Perlman Vergleich mit bestehenden Karikaturen
4 Repetition der Theorie (Wortdefinition, 3 Merkmale, 3 Regeln, 3 Fachbegriffe, Gesichtsformen) Hauptgesichtslinien: T-Gerüste T-Gerüste einzeichnen Rastervergrösserung von Promi Foto, Vergrösserung, Verzerrung
5 Zeichenstile von Karikaturen: Beispiele Digitale Umsetzung mit Pixlr: Frei verzerren, verflüssigen, vergrössern, schrumpfen evtl. Umsetzung mit ChatGPT Zeichnerische Umsetzung: Promiportrait umsetzen
6 Auftrag: Mitschüler in Karikaturversion - Analyse: Kopfform, T-Gerüst, dominante Einzelmerkmale - 2 Versionen (Skizzen) - Arbeit an Umsetzung Arbeit an Umsetzung
7 Arbeit an Umsetzung Selbstbeurteilung

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